Band 
III. Teil.
Seite
4
JPEG-Download
 

4

Zur Geschichte der Ägypter.

zusammennähme, was von den Hellenen an Mauerwerk und Bauarbeitzustande gebracht, so würde er finden, daß es an Mühe und Kosten diesemLabyrinth nachsteht, und die Tempel zu Ephesos und zu Samos sind dochauch wohl der Rede wert. Es waren zwar schon die Pyramiden über alleBeschreibung und eine jegliche von ihnen wiegt eine Menge der größtenhellenischen Werke auf; aber das Labyrinth übertrifft auch noch die Pyra-miden. Denn es hat zwölf bedeckte Höfe, deren Tore stehen einandergegenüber, sechs nach Mitternacht, sechs nach Mittag, in einer Reihe,auch Umschließt sie nach außen eine und dieselbe Mauer. Und die Ge-mächer sind zweierlei, die einen unter der Erde und die anderen überjenen, dreitausend an der Zahl, tausendfünfhundert von jeglicher Art.Die oberen Gemächer habe ich selber gesehen und bin durchgegangenund spreche davon als Augenzeuge, aber die unter der Erde kenne ichnur von Hörensagen. Denn die Ägypter, die als Aufseher da waren,wollten sie mir durchaus nicht zeigen, weil, wie sie sagten, daselbst dieBegräbnisse der Könige wären, welche das Labyrinth erbaut von Grundauf, und der heiligen Krokodile. ,Daher spreche ich über die unteren Ge-mächer nur von Hörensagen; die oberen aber habe ich selber gesehen, unddiese sind ein übermenschliches Werk. Denn die mannigfaltigen Aus-gänge durch die Zimmerreihen und die Schlangengänge durch die Höfebieten tausend Wunder dar. Da kommt man von einem Hofe in dieGemächer und aus den Gemächern in die Hallen und aus den Hallenwieder in eine Zimmerreihe und aus den Gemächern wieder in einen Hof.Und die Decke von allen diesen ist von Stein wie die Wände, und dieWände sind voller eingehauener Bilder, und ein jeglicher Hof ist mitSäulen von weißem Stein umgeben, sehr wohl ineinander gefügt. Undin der Ecke, wo das Labyrinth ein Ende hat, steht eine Pyramide vonvierzig Klaftern, darin sind große Bilder eingehauen und ist in dieselbeein Weg gemacht unter der Erde.

Und wiewohl dieses Labyrinth ein so großes Werk ist, so erregt dochnoch größere Bewunderung der sogenannte Mörissee, neben welchemdieses Labyrinth gebaut ist. Das Maß seines Umfangs beträgt drei-tausendsechshundert Stadien. Die Länge des Sees geht von Mitter-nacht nach Mittag, und seine größte Tiefe beträgt fünfzig Klafter. Unddaß er von Menschenhänden gemacht und gegraben ist, kann man deutlichsehen. Denn ungefähr in der Mitte des Sees stehen zwei Pyramiden,und eine jede hat fünfzig Klafter, und unter dem Wasser ist gerade eben-soviel gebaut, und auf beiden Seiten ist oben ein Koloß von Stein, derauf einem Thron sitzt. Also sind die Pyramiden hundert Klafter hoch,und diese hundert Klafter sind gerade ein Stadion von sechs Plethren;denn eine Klafter mißt sechs Fuß oder vier Ellen, und ein Fuß ist vierHände breit, eine Elle aber sechs Hände breit. Aber das Wasser in demSee kommt nicht aus einer Quelle, denn in der Gegend herrscht gewaltigerWassermangel, sondern ist aus dem Nil durch einen Graben hinein-