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Zur Geschichte der Griechen.
seiner Freundschaft ist der Wohltäter, welcher die Dankbarkeit für dieWohltäter! in dem Empfänger lebendig erhält. Minder eifrig ist derSchuldners denn er weiß wohl, daß er nicht als Ausfluß freier Dank-barkeit, sondern als Abtrag einer Schuld freundliche Gesinnung zeigenwird. Wir sind die einzigen, die andere ohne Rücksichten unterstützen:nicht mit Berechnung des Nutzens, sondern mit dem Vertrauen, das eineliberale Gesinnung einflößt.
Zusammenfassend behaupte ich: uusere Stadt ist nicht nur imganzen für Hellas der Mittelpunkt jeder geistigen Bildung, sondern auchjeder einzelne Athener vermag — niemand hindert ihn daran — seineindividuelle Persönlichkeit zu selbständiger Tüchtigkeit auszubilden, nachden verschiedensten Seiten des Lebens und Wirkens hin und zugleichmit der größten Anmut und Gewandtheit. Und daß dies nicht leere, fürdiesen Augenblick berechnete Worte sind, sondern tatsächliche Wahrheit:das beweist die Macht unserer Stadt, die wir durch solche Denk- undHandlungsweise erlangt haben. Denn unsere Stadt erweist sich durchdie Tat als die einzige, die ihren Ruf übertrifft; sie ist die einzige, welcheweder bei dem angreifenden Feinde unwillige Beschämung erweckt,daß er von solchen Gegnern Ungemach erleidet, noch bei den unter-worfenen Staaten Beschwerde, daß sie von Unwürdigen beherrschtwerden. Da nun bedeutende Spuren Zeugnis von unserer Macht ab-legen, so werden wir bei der Mit- und Nachwelt Gegenstand der Be-wunderung sein. Dabei bedürfen wir gar nicht eines Homer oder anderenLobredners, dessen willkürliche Darstellung — bei allem augenblicklichenReiz der Dichtung — durch die Tatsachen widerlegt wird. Vielmehrhaben wir durch unsern Wagemut in allen Meeren und Ländern unsBahn gebrochen und überall unvergängliche Denkmäler durch unsereNiederlassungen errichtet.
Eine solche Stadt ist es also, für deren Besitz, den sie sich mit Rechtnicht rauben lassen wollten, diese Männer heldenmütig in Kampf undTod gegangen sind; und ebenso muß von uns Überlebenden ein jederentschlossen sein, für diese Stadt die größten Mühen auf sich zu nehmen. —
Aus diesem Grunde habe ich die Zustände unserer Stadt längerbesprochen, um zu zeigen, daß für uns mehr auf dem Spiele steht alsfür unsere Gegner, die sich nicht solcher Vorzüge rühmen können; zugleichwollte ich durch tatsächliche Beweise meine Lobrede auf die Gefallenenbegründen. Und in der Tat, der wichtigste Teil derselben istschon gesprochen: denn, was ich zum Ruhme unserer Stadt gesagthabe, das haben die Heldentaten dieser und ähnlicher Männer aufgebaut,und es wird wenige Griechen geben, bei denen Wort und Tat sich so sehrdeckt wie bei diesen. Ein solcher Tod, wie sie ihn gefunden, scheint mirihren Heldensinn zu beweisen, mag es nun die erste Probe ihrer Tapfer-keit oder der rühmliche Abschluß ihrer Taten gewesen sein. Denn auchfür diejenigen, deren Leben sonst minder einwandfrei war, muß die im