Band 
III. Teil.
Seite
167
JPEG-Download
 

Zur römischen Geschichte.

167

einem Hasen mit Flügeln, damit er dem Pegasus gliche. In denEcken des Aufsatzes waren vier Faune zu sehen, aus deren SchläuchenBrühe, welche aus den Eingeweiden verschiedener Fische wohl zu-bereitet war, auf die Fische herunterfloß, die wie in einem Teicheschwammen.

Allgemeines Händeklatschen darüber, und wir machten uns lachendüber diese auserlesenen Dinge her. Trimalchio selbst wurde über dieseErfindung vergnügt und rief: „Schneid' er!" Gleich trat ein Bor-schneider her und zerlegte nach dem Takte der Musik unter vielen Gau-keleien die Speisen; man konnte glauben, er tanze nach einer Sackpfeifeauf einem Seile.

Nichtsdestoweniger rief Trimalchio immer mit sehr langsamerStimme: „Schneid' er!" Ich mutmaßte, daß unter dieser Wiederholungein Trimalchionischer Scherz stecken müsse, und schämte mich nicht, meinenNachbar deswegen zu befragen. Dieser, welcher schon oft hier gespeisthatte, sagte mir denn: „Dieser da, welcher das Essen zerteilt, hat denNamen Schneider; so oft also Trimalchio sagt: „Schneid' er!" so oft nennter ihn und befiehlt mit einem Worte!"

Als dieser Gang abgetragen war, kamen Sklaven und brachtenLeinewand, in welche Netze gestickt waren und Jäger mit Jagdspießennebst allem, was zu einer Jagd gehört. Als wir noch nicht wußten, wasdas bedeuten solle, entstand hinter uns ein entsetzlicher Lärm, und spar-tanische Jagdhunde fingen an, um den Tisch herumzulaufen. Darauferschien ein Brett mit einem wilden Schweine erster Größe, an dessenHauern zwei Körbchen, von Palmzweigen geflochten, hingen. In demeinen waren schwarze Datteln und in dem andern weiße von Theben.Dieser Sau hingen kleine Mutterschweinchen, von feinem Mehl gebacken,an den Zitzen: die säugende wilde Schweinsmutter zum Essen, dieFerkel als Nachtisch für die Gäste.

Um das Schwein zu zerlegen, kam nicht der frühere Schneid—er,sondern ein großer, bärtiger Kerl mit langen Gamaschen und hieb miteinem Hirschfänger die Wamme der Sau gewaltig entzwei. Im Augen-blick war der Saal mit Krammetsvögeln angefüllt, die herausgeflogenwaren. Vogelsteller standen schon mit Leimruten bereit und fingen sieals geschickte Jäger über der Tafel weg.

Nachdem Trimalchio befohlen hatte, daß jedem einer davon ge-bracht würde, fuhr er weiter fort: „Sehet nun auch nach, ob diese wildeSau ihre ganze Mast verzehret hat!" Und gleich liefen die Sklaven nachden Körbchen zu, welche an ihren Hauern hingen, und teilten schwarzeund weiße Datteln unter die Gäste aus.

Trimalchio entfernt sich; die Gäste vertreiben sich die Zeit mit lebhaften, ergötz-lichen Gesprächen über die Mitmenschen, die Teuerung u. a. Als Trimalchio zurück-kehrt, wird der Schmaus fortgesetzt.

Wir wußten noch nicht, daß wir erst die Mitte der Mahlzeit erreicht