Band 
III. Teil.
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Zur römischen Geschichte.

so wollte er, daß ihr ihn überlebt. Was zaudert ihr also zu fliehen?" Wirantworteten, daß wir es nicht übers Herz bringen könnten, für unserLeben zu sorgen, solange wir über sein Leben im Ungewissen seien.Da stürzte er sich ohne Zögern fort und entzog sich durch schnelle Fluchtder Gefahr.

Bald darauf senkte sich jene Wolke zur Erde nieder und bedecktedas Meer: Capri hatte sie umgürtet und verborgen; das Vorgebirgevon Misenum hatte sie unseren Blicken entzogen. Da bat, ermähnte,befahl meine Mutter, ich solle auf irgend eine Weise fliehen: ich könnees bei meinen jungen Jahren; sie sei zu alt und zu schwach; sie werdefreudig sterben, wenn sie mir nicht Ursache des Todes gewesen sei. Ichdagegen: nur mit ihr zusammen wollte ich gerettet sein. — Dann er-greife ich ihre Hand und reiße sie mit mir fort. Sie gibt ungern nachund klagt sich an, daß sie mich aufhalte. Schon fiel Asche auf uns nieder,aber noch wenig; ich blicke mich um: ein dichter Ranch drängte unserenRücken, der wie ein Gießbach auf die Erde ausgeschüttet wurde und unsverfolgte. „Laßt uns zur Seite gehen," sage ich, „solange wir sehen kön-nen, damit wir nicht auf dem Wege hinfallen und von den nachdrängen-den Menschen zertreten werden." Kaum hatten wir uns seitwärts nieder-gelassen, da ist Nacht: nicht wie wenn der Himmel bewölkt ist und keinMond scheint, sondern wie wenn in einem geschlossenen Raum das Lichtgelöscht ist. Da hättest du Heulen der Weiber, Kreischen der .Kinder,Schreien der Männer hören können! Die einen suchten mit ihrer Stimmeund erkannten an der Stimme die Eltern, andere ihre Kinder, andereihre Gatten; diese bejammerten ihr eigenes Schicksal, jene das Schicksalder Ihrigen; einige beteten aus Furcht vor dem Tode um den Tod;viele erhoben ihre Hände zu den Göttern; die Mehrzahl meinte, es gäbenirgends mehr Götter, und dies sei für die Welt die ewige und letzte Nacht.Auch fehlte es nicht an solchen, die durch erdichtete und erlogene Schreckendie wirkliche Gefahr noch größer machten. Falsche Berichte wurdengemacht, in Misenum sei dieser Teil eingestürzt, jener stehe in Flammen;aber alles wurde geglaubt. Es leuchtete ein wenig auf: dies schien unsnicht der Tag, sondern der Vorbote des kommenden Feuers zu sein. Unddas Feuer hörte längere Zeit auf: da war wieder Finsternis, dann kamviele und schwere Asche. Immer wieder standen wir auf und schütteltendiese von uns; sonst wären wir bedeckt, ja sogar von der Last erdrücktworden. Ich würde mich rühmen können, daß in der großen Gefahrmeinem Munde kein Seufzer, kein untapferes Wort entfahren ist, wennrächt der Gedanke an die Sterblichkeit mir den armseligen und doch großer:Trost gegeben hätte, daß ich mit allem und alles mit nur zugrunde gehe.Endlich wurde jener Rauch dünner urrd löste sich gewissermaßen in Dampfund Nebel auf; dann war wirklicher Tag, die Sonne leuchtete, allerdingstrübe, wie bei eurer Sonnenfinsternis. Dem ängstlich umherschweifendenAuge trat alles in veränderter Gestalt entgegen, mit Asche wie mit Schnee