Band 
III. Teil.
Seite
173
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Zur römischen Geschichte.

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b) C. Plinius grüßt seinen Tacitus.

Durch meinen Brief, den ich auf deinen Wunsch über den Todmeines Oheims geschrieben habe, veranlaßt, wünschest du zu erfahren,welche Sorgen und Leiden ich selbst in Misenum erduldet habe, wo ichzurückblieb; denn am Schlüsse jenes Briefes fing ich an davon zu schreiben,brach aber ab. „Zwar schaudert meine Seele bei der Erinnerung; dochwill ich es tun."

Als mein Oheim abgefahren war, verwandte ich die übrige Zeitauf meine Studien; denn deshalb war ich zurückgeblieben. Es folgtenBad, Abendmahlzeit und ein unruhiger, kurzer Schlaf. Schon vieleTage war Erdbeben gewesen; aber man hatte sich nicht gefürchtet, weildas in Campanien oft vorkommt. Aber in jener Nacht war die Erschütte-rung so groß, daß man glaubte, alles werde nicht nur bewegt, sondernumgestürzt. Meine Mutter eilte in mein Schlafzimmer; ich selbst wargerade aufgestanden, um meinerseits sie zu wecken, wenn sie schliefe.Wir ließen uns in einem Hofraum nieder, der das Meer von den Ge-bäuden trennt. Ich weiß nicht, ob ich es Unerschrockenheit oder Unver-stand nennen soll (denn ich stehe im 17. Jahre): ich lasse mir ein Buchdes T. Livius geben, lese scheinbar in aller Ruhe, ja, mache mir einenAuszug daraus, wie ich begonnen hatte. Sieh, als der Freund meinesOheims, der kürzlich aus Spanien zu ihm gekommen war, mich undmeine Mutter dasitzen, ja mich sogar lesen sah, da rügte er laut ihreMattherzigkeit und meine Sorglosigkeit: trotzdem las ich weiter. Schonwar die erste Tagesstunde, und es wollte nicht recht Tag werden. Schonwaren die umliegenden Häuser eingestürzt; wir verweilten zwar imFreien, aber der Raum war enge, und das Haus drohte auf uns ein-zustürzen. Da erst beschlossen wir, die Stadt zu verlassen; es folgt dieerschrockene Menge, und jeden fremden Entschluß, der in der Angst wieKlugheit aussieht, zieht sie dem eigenen vor, drängt und schiebt in ge-waltigem Haufen die Abziehenden. Als wir das Haus verlassen haben,bleiben wir stehen. Manches Wunderbare, manche Schrecken erlebenwir dort. Die Wagen, welche wir hatten vorfahren lassen, wurden, ob-gleich der Platz ganz eben ist, nach der entgegengesetzten Seite getrieben,und, obwohl Steine unter die Räder geschoben wurden, blieben sie nichtan derselben Stelle stehen. Außerdem sahen wir, wie das Meer in sicheingeschlürft und dann durch eine Erschütterung der Erde gewisser-maßen zurückgestoßen wurde; jedenfalls war das Gestade vorgeschobenund trug viele Meerestiere auf seinem trockenen Boden. Auf der anderenSeite war eine schwarze, schaurige Wolke, zerrissen von gewirbelten undgezackten Blitzen der feurigen Luft; sie lief aus in lange Flammenfiguren,welche dem Wetterleuchten ähnlich waren, nur größer. — Da sagte derFreund aus Spanien noch eifriger und drängender: „Wenn dein Bruder,dein Oheim lebt, so will er euch gerettet sehen; wenn er umgekommen ist,