J. M. E DER
körperliche Natur habe und der Wärmestoff wägbar sei und beschrieb unteranderem viele chemische Reaktionen und die dabei auftretenden Farben-änderungen. Er schilderte seine Versuche in Form von Briefen an einenFreund, den er Pyrophilus nennt, ein Name, den er sich selbst in dritterPerson beilegte. Er schildert unter anderem die Wirkung von Säuren undLaugen auf Pflanzenfarben (z. B. die Farbenänderung von Lackmus, Kreuz-beeren-, Veilchensaft usw.). In einer großen Reihe von Experimenten erwähnter chemische Farbenänderungen aller Art und kommt hierbei auch auf dieFarbenänderung des Chlorsilbers zu sprechen. Im „Experimentum XXXVI"obigen Buches findet sich eine für die Geschichte der Photographie wichtigeStelle, worin er die Fällung des weißen Chlorsilbers und die Schwärzungdesselben beim freien Liegen „an der Luft“ beschreibt; hierbei erkennt erallerdings nicht die Ursache der Schwärzung als eine Lichtwirkung, sondernsucht sie in einer Wirkung der Luft. Immerhin wurde die Kenntnis des Chlor-silbers durch seine Arbeiten erweitert, weshalb ich den Text des betreffenden„Experimentum XXXVI" in Boyles lateinischer Ausgabe „Experimenta et con-siderationes de coloribus" samt deutscher Übersetzung mitteile. Die nüchterneund scharfe Naturbeobachtung Boyles sticht auffällig von der verworrenenMystik und Überschwenglichkeit seiner Vorgänger sowie mancher seiner Nach-folger (z. B. Balduin) ab. Der Weg von der Entdeckung des Chlorsilbers biszur wahren Ursache seiner Schwärzung am Lichte war aber noch ein sehr weiter.
Gegen Ende des 17. Jahrhunderts lenkte die Erfindung eines eigenartigenkünstlichen „Leuchtsteines“, einer phosphoreszierenden Masse, durch Chri-stoph Adolph Balduin, eigentlich Baldewein (geboren 1623 zu Döbelnbei Meißen, gestorben 1682 zu Grossenhayn), der Amtmann in Grossenhaynin Sachsen war, die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich. Wir bringen dessenPorträt als Reproduktion nach einem alten Kupferstiche 10 .
Wohl waren schon bei den alten Schriftstellern selbstleuchtende Substanzenim Tier-, Pflanzen- und Mineralreiche erwähnt worden und der italienischeSchuster Casciarolo in Bologna, welcher sich eifrig mit Alchemie befaßte,hatte um das Jahr 1604 den ersten künstlichen „Leuchtstein" durch Glühenvon Schwerspats» mit Kohle erhalten, welcher nach kurzer Bestrahlung imSonnenlicht oder hellem Tageslicht einige Zeit lang mit rötlichem Glänzenachleuchtete. Casciarolo nannte ihn „Lapis solaris", d. i. Sonnenstein; eswar dies phosphoreszierendes Schwefelbarium 11 .
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