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Quellenschriften zu den frühesten Anfängen der Photographie bis zum XVIII. Jahrhundert : mit fünf heliographischen Porträten, zwei Lichtdrucktitelblättern und diversem Buchschmuck / herausgegeben und mit Erläuterungen versehen von Hofrat Dr. Josef Maria Eder
Entstehung
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J. M. E D E R

zukommt, verdient besonders hervorgehoben zu werden. Sein Porträt, welcheswir diesen Quellenschriften beigeben, ist die verkleinerte heliographischeReproduktion nach einem alten Kupferstiche, welcher in der Wiener Hof-bibliothek vorfindlich ist.

An diese Publikationen schließen sich zu Ende des 18. Jahrhunderts zahl-reiche Notizen und Abhandlungen über chemische Lichtwirkungen an, unterdenen insbesonders die Schrift von ScheeleChemische Abhandlung vonder Luft und vorn Feuer 1777, hervorragt. Der schwedische ChemikerCarl Wilhelm Scheele (geboren 1742 zu Stralsund, gestorben 1786 zuKöping) war anfangs Apothekergehilfe in Gotheburg, später in Malmö, Stock-holm und Upsala. Er kam 1775 als Vorsteher der Apotheke nach Köpingund erwarb im Jahre 1777 dieselbe; stets arbeitete er unermüdlich an derErweiterung der chemischen Kenntnisse, und zwar mit sehr bescheidenenHilfsmitteln. Die Chemie verdankt ihm viele wichtige Entdeckungen. Erentdeckte, unabhängig von Priestley und Lavoisier den Sauerstoff, ferner vieleorganische Substanzen (Oxalsäure, Zitronensäure, Apfelsäure, Gallussäure,Glyzerin) und erweiterte die anorganische Chemie, z. B. durch die Entdeckungder Molybdän- und der Wolframsäure, stellte zuerst Flußsäure, ferner freiesChlor dar, welches er als dephlogistisierte Salzsäure bezeichnete usw. Füruns sind die photochemischen Arbeiten Scheeles von besonderem Interesse.Er fand, daß kohlensaures Silber, Quecksilberoxyd und Goldoxyd im starkenSonnenlicht zu Metall reduziert werden (oder wie Scheele im Sinne derdamals herrschenden Phlogistontheorie sagtePhlogiston aufnehmen),daß Salpetersäure im Lichte rote Untersalpetersäure bildet und stellte fest,daß das Chlorsilber durch Lichtwirkung unter Reduktion zu Silber geschwärztwird. Scheele erkannte, daß sich beim Schwärzen des Chlorsilbers imLichte bei Gegenwart von Wasser Salzsäure bilde und legte somit die che-mischen Vorgänge bei der photographischen Schwärzung des Chlorsilbersfest. Die Löslichkeit des reinen, weißen Chlorsilbers in Ammoniak warschon den alten Alchemisten bekannt gewesen, denn es spricht schon Glauberin seinenFurnis novis philosophicis (1648) davon. Scheele fügte 1777 dieBeobachtung hinzu, daß das am Licht geschwärzte Chlorsilber in Ammoniaknicht mehr völlig löslich sei, sondern feinverteiltes schwarzes Silber hinter-lasse. Hiermit war ein Fixiermittel für Photographien auf Chlorsilberbekannt gemacht worden. Leider blieben diese Anregungen Scheeles, obwohl

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