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Quellenschriften zu den frühesten Anfängen der Photographie bis zum XVIII. Jahrhundert : mit fünf heliographischen Porträten, zwei Lichtdrucktitelblättern und diversem Buchschmuck / herausgegeben und mit Erläuterungen versehen von Hofrat Dr. Josef Maria Eder
Entstehung
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19
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Einleitung- zu den Quellenschriften der frühesten Anfänge der Photographie

seine Untersuchungen die Prinzipien des photographischen Kopierprozessesauf Chlorsilberpapier in ihren Umrissen in sich schlössen, durch viele Jahrehindurch unbeachtet und unverwertet.

Scheele ließ auch zuerst das prismatische Sonnenspektrum auf Chlor-silberpapier wirken und fand, daß den violetten Strahlen die stärkste Wirkungzukommt. Wir müssen hierin die ersten Anfänge der Spektrumphotographieund die ersten experimentalen Feststellungen der photographischen Wirkungendes farbigen Lichtes erblicken, welche in der Folge einerseits zur Einrichtungder Dunkelkammerbeleuchtung, andererseits zur Erklärung der Ursache desAktinismus von Lichtquellen führten. Die von ihm beobachteten photo-chemischen Prozesse erklärte Scheele im Geiste der damals herrschendenPhlogistontheorie 14 , indem er annahm, das Licht sei wohl nicht reinesPhlogiston (d. i. dasPrincipium inflammabile), aber das Licht enthalte dasPhlogiston neben Wärme als Bestandteil und dieses verbinde sich mit demSilberkalk; nach dieser Ansicht würde das Licht durch das Chlorsilberzerlegt also nicht, wie man heute sagt, das Chlorsilber durch das Lichtzersetzt und dem Lichte ein Bestandteil entzogen.

Wenn auch die irrtümlichen Anschauungen der Phlogistontheorie nachwenigen Jahren durch den Franzosen Lavoisier widerlegt wurden, sogeschieht dadurch dem außerordentlichen Verdienste Scheeles um die Ent-wicklung der Chemie im allgemeinen und der Photochemie im besonderenkeine Einbuße. Scheeles Abhandlung ist ein Markstein auf dem Gebieteder äußerst langsam sich vollziehenden Erkenntnis der chemischen Wirkungendes Lichtes auf Silberverbindungen, welche aus kaum merklichen Anfängensich erst am Ende des 18. Jahrhunderts zur klareren Auffassung photo-chemischer Prozesse emporarbeitete. Wir bringen sein Porträt nach einemKupferstiche von Scheffner.

Mit Scheele gelangen die auf wunderlichen Wegen fortschreitenden Er-kenntnisse der Lichtempfindlichkeit der Silbersalze gegen Ende des 18. Jahr-hunderts zu einem gewissen Abschlüsse, wenn sie auch eigentlich nur dasGebiet der direkten photographischen Kopierprozesse betreffen. Durchseine Erkenntnis der direkt sichtbaren photographischen Lichtwirkungenwurden aber ohne Zweifel die Vorbedingungen zur Erfindung der modernenPhotographie durch Niepce, Daguerre und Talbot geschaffen, obschonerst zufolge der Einführung des Hervorrufungsprozesses des latenten