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Quellenschriften zu den frühesten Anfängen der Photographie bis zum XVIII. Jahrhundert : mit fünf heliographischen Porträten, zwei Lichtdrucktitelblättern und diversem Buchschmuck / herausgegeben und mit Erläuterungen versehen von Hofrat Dr. Josef Maria Eder
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Von der Kraft, die das Licht durch sich selbst hat, usw.

oder sie vernichtet, wie bei seinen eigenen. Dieser Gedanke führte ihn zu verschieden enErwägungen, da er bald das eine, bald das andere versuchte und bei keinem Urteilezu verharren wagte. Zunächst war er der Ansicht jener zugeneigt, welche annehmen,die Teilchen, aus dem der Farbstoff besteht, werden durch das Licht zerteilt (verstäubt)und dadurch werde die Farbe abgeschwächt. Diese Meinung wurde durch den Versuchselbst widerlegt; denn als die Bänder, welche die Farben verloren hatten, von denZetteln getrennt wurden, an denen sie hafteten, fand man, daß sie nicht nur auf jenerSeite, die das Licht empfangen hatte, die Farbe verloren hatten, sondern auch auf deranderen, an der sie mit dem Papier verbunden waren. Auf dem Papier war keineSpur von Farbe zurückgeblieben, noch auch Staub, der die Vermutung angeregthätte, einige Teilchen des Farbstoffes seien von den Bändern abgeschürft worden.

Auch das konnte er nicht beweisen, was zu beweisen auch dem Duhameliusnicht gelang: Das Licht bewirke nämlich, daß jenes etwas, was es auch sei, welchesdie Körper färbt, sich zu Dämpfen verflüchtige, und daß aus den ursprünglichen ver-schwindenden Farben andere hervorgehen. Dieses zu glauben gestattet Duhameliusnicht, da er ja jene seine Flüssigkeit mit der herrlichsten Farbe schmückte, obwohl er siein ein Glasfläschchen eingeschlossen und jeden Verdacht der Verdunstung ausgeschlossenhatte. Auch von dieser Meinung abgedrängt, wäre demnach Bonzius geneigt gewesen,die gesuchte Ursache aus der Reflexion der Strahlen und verschiedenen Transmissionenabzuleiten. Für diese Ansicht sprach, was Duhamelius von seiner Flüssigkeit erzählt,daß diese nämlich, mit Papier bedeckt, vom Lichte Farbe erhielt, wenn dieses gefettetwar, anders wenn es trocken war, und daß die Farbe sich viel kräftiger zeigte, wenndas Papier veilchenblau, als wenn es von einer anderen Farbe war. Aber auch dieskonnte Bonzius mit seinen Bändern nicht in Übereinstimmung bringen, und er ver-mochte keinen Weg zu finden, um die ganze Sache zu erledigen. Zu den übrigenSchwierigkeiten kam noch die, daß die Färbemittel vielfach und verschiedenartig sind,und daß es nicht nur eine Art des Färbens gibt. Kaum wagte er, sich zu gestehen,man könne die ständige Ursache einer Sache nicht finden, wenn die Sache selbst un-beständig ist.

Bisher haben wir die Versuche und die Bedenken Bonzius' vorgetragen, durchwelche gewiß dargetan wird, bei Erhaltung der Farben sei vom Lichte manches zubefürchten, worauf Beccarius den Montius aufmerksam gemacht hatte. Beccariushat später, als er die von mir erwähnten Versuche des Bonzius darlegte, seine eigenenhinzugefügt, durch welche mehr erreicht wird; sie zeigen nämlich,< daß mitunter das Gefüge(die Textur) der Körper durch die Einwirkung des Lichtes geändert wird, während dieFarben noch unversehrt bleiben. Auch diese Versuche wollen wir kurz verfolgen.

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