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Funfzehn Ansichten der neuen St. Gotthards-Strasse vom St. Gotthard-Hospiz bis Lugano / nach der Natur gezeichnet und geätzt von Joseph Meinrad Kälin, Jakob Suter; nebst einer Beschreibung von Herrn Karl Franz Lusser
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bedeckt sind, geniessen die untern Gegenden, Locarno u. a. O. einer grossem Wärme, als selbst die offene Lombardey.Ueberhaupt ist das Clima des Canlons Tessin schon bedeutend milder als dasjenige der in gleicher Höhe nördlich des Gotthardsgelegenen Gegenden, indem alle Thäler gegen Norden mit hohen Gebirgen umschlossen, gegen Süden aber, die meisten derselbenoffen sind. Wie die Vegetation überhaupt, so steigt der Waldwuchs viel weiter hinauf; aber wegen Mangel an Gletschern undFirnschnee , sind die Alpen des Tessins im Durchschnitt auch wasserarmer und unfruchtbarer als jene auf der Nordseiteder Golthardskette, und die Thäler, der bis in die höchsten Alpen ziehenden häufigen Regengüsse, wie der steilenAbsenkung der Gebürge wegen, wodurch sich nicht nur der Canton Tessin , sondern die ganze Südseite der Alpen auszeichnet,viel mehr den verheerenden Ueberschweinmungcn ausgesetzt, wovon sich dem Wanderer so viele Spuren darbieten. Diegefährlichsten Regengüsse sind mit den Tessin aufwärts gegen die Alpen wehendem Südwestwinde begleitet, während die, dieAlpen abwärts ziehenden Winde meistens schöne Witterung bringen. Gewöhnlich, wenn im Tessin -Thale der Regen beySüdwestwind in Strömen fällt, weht vom Gotthard durch das ganze Reusslhal hinab, mit ungestümer Wuth der Föhn; dahingegen, wenn dieser das Tessinthal hinauf braust, im Reusslhale derselbe nur im Wolkenzüge bemerkt wird, oder beyganz hellem Himmel kühler Nordwest das Reussthal hinanw'cht. Im Gegensatz von der Nordscite der Alpen sollen im Canton Tessin auch die meisten Gewitter Vormittags eintrclcn.

Vegetation.

Bey so abwechselndem Clima und dem so mannigfach gestalteten Boden der 25 Thäler, die die vom höchsten Gebirgs-kämme ausgehenden Höhen bilden, muss natürlich die Vegetation sehr reichhaltig scyn; der Canton Tessin ist noch langenicht hinlänglich durchforscht, und eine Flora desselben würde ohne Zweifel so reichhaltig ausfallcn, wie sie ausser Wallis vielleicht, wohl kein anderer Schweizer-Canton aufzuweisen hätte.