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Funfzehn Ansichten der neuen St. Gotthards-Strasse vom St. Gotthard-Hospiz bis Lugano / nach der Natur gezeichnet und geätzt von Joseph Meinrad Kälin, Jakob Suter; nebst einer Beschreibung von Herrn Karl Franz Lusser
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Airolo , Ericls.

Pfarrdorf und Kreisort am Fusse des Gotlhards, an der Mündung des Tremolalhals. Die Häuser sind gedrängtzusammen gebaut, mehrere von Lerchenholz, alle mit Schindeln, oder Steinplatten bedeckt; hoch über die grauen Dächerhinaus ragt der schmale unverhälluismässig hohe Kirchlhunn. Ein paar geräumige steinerne Häuser zeichnen sich vorlheilhaftvor den andern aus, und gereichen nebst einem neuen steinernen Brunnen dem sonst ziemlich schmutzig ausschenden Orte zurZierde, Hier ist das vorzüglichste Wirlhshaus, das zu den drey Königen, den Herrn Cammossi angehörend, die früher einesehr schone Mineralien-Sammlung besassen, und mit dem Gotthard und dessen mineralogischen Seltenheiten sehr wohl bekanntsind. Es ist in diesem Dorfe, das durch den beständigen Durchpass von Reisenden, und Waarcn sehr belebt ist, auch eineWaareniuederlage , Dogana genannt, ferner auch ein Spital für arme Reisende, so wie das Ilospiliiim auf dem St. Gotthard auchzu dieser Pfarre gehört. Dieser nach Saussure 353V, nach andern 3700' über das Mittclmeer erhabene Ort zählt 800 900 Einw'ohncr,die säinintlich ein verdorbenes Italienisch sprechen. Das Dorf ist in einer sehr freundlichen Gegend, überall von schonenBergwiesen umgeben; vor ihm breitet sich eine ganz ebene Thalfläche aus, auf welcher auch Winterroggen und Kartollelngepflanzt werden. Erstere wird an grosse hölzerne Gerüste, Rescana genannt, zum trocknen und dörren aufgehängt, und dannim Freyen auf hart gestampfter Erde ausgedroschen. P'ruchlbäume sieht man keine in dem ganzen schönen Thale , nicht einmalKirschbäume; die steilen Bergabhänge aber sind mit Waldung reichlich ausgeschmückt, und viel höher als auf der Nordseile deiAlpen, selbst bis zu 5000' übers Meer sieht man hier noch hochstämmiges Nadelholz.