Ijj den hohem Regionen findet der Wanderer die, allen Schweizer-Alpen mehr oder weniger eigentümlichenPflanzen, und in den hohem Thälern, zumal im obern und mittleren Livinerthal (Levenlina), die Pflanzen der subalpinischenGegenden.
Im Livinerthal ist meistens Wieswachs, tiefer abwärts, und besonders nördlich des Monte Cenere wird das grosse undkleine Tiirkenkorn (Zea Mays ), woraus die Polenta, nebst Castanicn die häufigste Nahrung der Tessiner , bereitet wird, inMenge gebaut, nebenher noch Buchweizen (Polygonum fagopyrum) Fennich (Foeniculuni officinale), indianische Rohrhirs(Sorghum vulgare), Weizen (Trilicum sativum), Roggen (Secale cereale), Gerste (Hordeum vulgare), und Hafer (Avena sativa);in den Gärten werden ausser den verschiedenartigen Gemüsen die feinsten Melonen (Cucumis Melo) gepflanzt. — Beträchtlichist von der Revicra abwärts der Weinbau; bey dreissig verschiedene Arten Trauben werden daselbst gezogen, worunter sichdie Lugliatica durch Grösse der Ranken und frühe Reifung, die weisse Potagera durch Grösse der Beeren, die beyMendrisio vorkommende Palestina-Traube durch ellenlange Trauben und Muscatella di Spagna durch vortrefflichen Geschmackauszeichnen. — Ausser allen Obstarien hat der Canton Tessin sieben Castanien-Sorlen (Castanea vesca) aufzuweisen, ganzeHügel sind mit Castanien-Wäldern bedeckt, die steilen Berghalden bis anderthalb Stunden hinan, damit bekleidet. MehrereFeigen-Arten (Ficus carica), wovon die Genovcse 4—5 Fuss dicke Stauden haben, Mandelbäume (Amygdalus communis), Oliven(Olea europaea ), Lorbeeren (Laurus nobilis ), Zypressen (Cupressus sempervirens ), und Maulbeerbäume (Morus alba), treibendicke Stämme, letztere besonders zartes Laub, daher die Seide des Cantons Tessin derjenigen der Lomhardcy vorgezogenwird. Granaäpfel (Punica granatum), Pomeranzen und Citronenbäume (Citrus aurantium und C. medica) wachsen bey Bellinzonaan geschützten Geländern, bey Lugano und Brisago im Freyen, und werden Winterszeit bloss mit Strohmatten bedeckt.Myrthen (Myrtus communis), Jasmin (Jasminum officinale) und Rosmarin (Rosmarinus officinalis) gedeihen fast ohne Cultur, undhalten den Winter aus. Nebst diesen nutzbaren und Ziergewächsen besitzt der Tessiner einen grossen Reichthum an Waldungen,und Holzarten aller Art. — Die Umgebungen des Luganer - und Langen-Sees vorzüglich, enthalten sowohl im Sumpfe, als auftrockenem Grunde Pflanzen, die man auf der Nordseite der Alpen in der Schweiz vergebens suchen würde.