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Funfzehn Ansichten der neuen St. Gotthards-Strasse vom St. Gotthard-Hospiz bis Lugano / nach der Natur gezeichnet und geätzt von Joseph Meinrad Kälin, Jakob Suter; nebst einer Beschreibung von Herrn Karl Franz Lusser
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um zum Zweck zu gelangen. Er fand bey vielen Magistraten in den grossem Canlonen, welche die italienischen Besitzungen alshöchst unheilbringend erachteten, Anklang und Unterstützung für seine Absichten, Es wurden Tagsatzungen über Tagsatzungengehalten, Botschaften an die Urstände gesandt, und alles versucht, sie zur Abtretung von Beilenz zu bewegen. Aber diese bliebenunerschütterlich ; besonders wollte Ury nichts von Abtretung hören, weil ohne den Besitz von Beilenz seine ennetbergischenBesitzungen immer gefährdet wären. Auch betrachteten die Urcantone Bellenz als eine treffliche Vormauer gegen die Mayländer,welche sich seit so vielen Jahren schon als Feinde der Eidgenossen gezeigt halten, und denen nie zu trauen war. Daherantworteten sic ihren Miteidgenossen , dass sie entschlossen wären , das Acusserste zu wagen , um Bellenz zu behaupten, undforderten sie zugleich zu bundsgeinässer Hilfe auf. Mit 6000 Mann überstiegen sie 1502 den St. Gotthard , und diesen folgtenmitten im Winter 1503 noch 14,000 Mann zum Kriege gegen die Franzosen , in welchem sie die Landschaften von Lugano undLocarno bis gegen Arona eroberten. Ludwig XII. , um den Besitz der Lombardcy zu sehr besorgt, als dass er sich einenneuen Feind hätte aufladen wollen, suchte Frieden, und trat das ganze Gebiet von Bellenz bis au den Monte Cenere ab.Auch Herzog Maria Sforza begab sich 1512 aller Rechte darauf, und bald darnach, den 15. Nov. 1516 wurden auch die, indein ewig denkwürdigen sechsjährigen, von den Schweizern gegen die Franzosen , den damaligen Herrn der Lombardey, aufAntrieb Papst Julius II. geführten Kriege , eroberten Gegenden um den Lauisser- und Langen-See, den Schweizern abgetreten,und so die jetzige Grenze des Cantons Tessin vollendet.

Obwohl durch diese Vereinigung mit dem Gebiete der Eidgenossen, diese italienischen Landschaften nicht zu völligerpolitischer Freyheit gelangten, sondern von acht Landvögten aus den alten Cantonen beherrscht wurden, so lebten sic doch imGenüsse vieler Freyheiten, und entgingen so den vielen politischen Stürmen, die um diese Zeit die Ruhe und das Glück von ganzOber-Italien störten. Selbst als die Religions-Trennung den Frieden und die Eintracht der Eidgenossen erschütterte, undMisstrauen und Neckereyen bis zum offenen Bürgerkrieg ausarteten, ward die Ruhe dieser Völkerschaften am südlichen Fusscdes Gotthards fast gar nicht getrübt. Einzig in Locarno veranlasste die Reformation einige Störung der Ruhe, die aber nachder Auswanderung der Bekenner der neuen Lehre bald wieder zurückkchrle.