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Funfzehn Ansichten der neuen St. Gotthards-Strasse vom St. Gotthard-Hospiz bis Lugano / nach der Natur gezeichnet und geätzt von Joseph Meinrad Kälin, Jakob Suter; nebst einer Beschreibung von Herrn Karl Franz Lusser
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Eine später, durch einige Ehrgeizige bewirkte Auflehnung der Livincr gegen Ury A°. 175G wurde schnell und kraftvollwieder unterdrückt. Ohne solche partielle Störungen lebten sonst, wie oben bemerkt, diese Völkerschaften seit ihrer Vereinigungmit der Schweiz , Jahrhunderte lang froh und glücklich unter dem milden Schulz der Eidgenossen. Diese grillen nicht in ihrealten Gewohnheiten und Sitten ein, liessen selbst die aus der Herzoglichen Zeit übliche Verwaltungswege mit allen ihrenMissbrauchen forfbestehen, wodurch frcylich für die moralische und üconomische Bildung wenig gesorgt war. Das Volk waraber zufrieden, fühlte sich frey, hatte wenig Abgaben zu zahlen, und weder von den Kriegen und verwüstenden Heeresziigen,noch von dem beständigen Wechsel der Herrschaft, die ganz Ober-Italien so sehr und so lange drückten, etwas zu leiden.Sie erfuhren somit nichts vom öftern Wechsel der Gesetze und Verwaltungsversuchen , nichts vom Druck wechselnder Finanz-,Zoll- und Maulh-Sysleme, nichts von Abgabcn-Plackereyen und der Conscription , welche so tief in das Familienglück eingreift;auch seine Geistlichen durfte es sich nicht seihst wählen, deren Einkünfte in kleinem Zehndcn bestanden.

Freylich brachte der Tessiner die Gewohnheit, bey Prozessen seine Rechtsätze mit goldenen Gründen zu unterstüzen, ausder herzoglichen Herrschaft auch in die Juslizpflege der Landvögte hinüber, wohl seilen ohne Erfolg, da selbst das Svndicat,jenes über die Vögte, zum Schulze für die Unterthanen errichtete Collegium oder Appellationsgericht, diesem Einflüsse nichtimmer fremd blich. Selbst bey der Appellation an die h. Stände, welche in letzter Instanz gestattet, und die ohnehin mitbedeutenden Kosten verbunden war, blieb dieses Mittel selten ohne Erfolg. Die grosse Anzahl der Advocaten, Notare undlrocuratoren, genährt durch die Streit- und Prozesssucht dieses italienischen Volkes, vervielfältigte und verlängerte so vielmöglich die Prozesse, und wie damals, so sind sie auch heut zu Tage noch keine geringe Landesplage.

Trotz dieser, aus der Herrschaft der Mayländer-IIerzoge in diejenige der Ur-Canlone übergegangenen Missbrauche, fühltesich das Volk des Tessins glücklich, der Schweiz anzugehören, was dasselbe dann auch in der Epoche der franz. Revolution, wieseit der Consliluirung als eidgenössischer Freystaat, so oft und thatsächlich bewiesen hat.

Die Siege, welche General Buonaparte in den Jahren 179G1797 in den Gefilden Italiens erndete, und die Bewunderung oderFurcht in so manchen Ländern erregten, übten über die Bewohner dieser Gegenden, namentlich des Luganer- und Langen-Sees,

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