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Funfzehn Ansichten der neuen St. Gotthards-Strasse vom St. Gotthard-Hospiz bis Lugano / nach der Natur gezeichnet und geätzt von Joseph Meinrad Kälin, Jakob Suter; nebst einer Beschreibung von Herrn Karl Franz Lusser
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und Advocat Papi zu dem Freyheitsbaume und ermordeten sie, trotz der Abwehren Rossis und anderer sonst beliebter Volksmänner.ITm Lugano aus der Gewalt dieses ausgelassenen Pöbels zu reiten, bewaffneten sieb die rechtlichen Bürger, zertrieben dasGesindel, ordneten der Verwaltungskammer noch einige Glieder bey, und gehorchten derselben als provisorische Regierung.

Aehnliche Auftritte ereigneten sich in andern Gegenden; in Mendrisio setzte den 28. April 1799 ein Volkshaufe den abgeselzlenUnlerstalthaller Borelia wieder an die Spitze , und dieser wusste durch kluges Benehmen Gräuel und Blulvergiesscn zu verhüten.In Locarno konnte durch ein Geldopfer von 40 Louisdors der wilden Mordlust, welche ein Haufe Verzaskcr zu befriedigen Minemachte, Einhalt gethan werden. Auch in Livinen brauste das Volk froh auf, bey der Nachricht vom siegreichen Forlschrcitender Ocstrcicher. Nirgends war das beständige Auf- und Abziehen der französischen Truppen lästiger , als in diesen engen, anLebensmitteln so armen Thälern , und das Volk, obwohl von Ury beherrscht, doch immer ein freyes , genügsames Hirtenvolk,trug längst, wie dieses, den Uumuth gegen die neue Ordnung. Camossi, der Wirth von Airolo , der einflussreichste Mann inOberlivincn, in Verbindung mit den Häuptern des Aufstandes in Ury, und mit Rossi, dem Freunde Oestreichs, in Lugano ,pflanzte gleichzeitig mit diesen, den 28. April, die Fahne der Befreyung auf; die aus dem italienischen Canton aufgebottenenMilizen, welche, geführt von Hauptmann Albortolli, über den Gotthard nach Ury gezogen, aber als sie da den Ausbruch desAufstandes merkten, schnell nach Airolo zuriiekgingen, wurden hier von den Bauern, die aus allen Thälern herströmten,entwaffnet, und einzeln nach Hause getrieben. Der Pöbel schien weiter gehen und sich Exces.se erlauben zu wollen ; alleinCamossis Einfluss und der Klugheit und sanften Gesinnung Emanuel Jauch, der aus Ury hiehergekommen, den Aufstand an denUfern des Waldstätter-Sees mit dem des Tessins in Verbindung zu setzen, gelang cs, wilden Ausbrüchen Schranken zu setzen.

So waren nun weit umher alle Völkerschaften in den vielen Thälern des Hochgebirges um den St. Gotthard in hellemAufruhr gegen die neue Staatsordnung Ilelvetiens. Baron Curtcn erhob in Oberwallis, Vincenz Schmied in Ury, Camossi inLivinen, und Rossi im Canton Lugano das Panier der Insurrection, während die obern Graubündner sich zu Tausenden gegendie Franzosen erhoben. In allen Bergen ward die Kunde der Niederlagen der Franzosen , wie des eigenen Sieges vernohmen,die helvetischen Cocarden verschwanden, die Frcyheitsbäunie wurden niedergehauen, mit Enthusiasmus die östrcichischcn Procla-