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Funfzehn Ansichten der neuen St. Gotthards-Strasse vom St. Gotthard-Hospiz bis Lugano / nach der Natur gezeichnet und geätzt von Joseph Meinrad Kälin, Jakob Suter; nebst einer Beschreibung von Herrn Karl Franz Lusser
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Mcschini angelegte Strasse ist prachtvoll und hat dem Tremolathal vieles von seiner vorigen Wildheit benommen. Bey sechsMetres Breite, hat sie sechs Schuh Fall auf hundert Mclres. Kühn und Jängcr verweilend schlangelt sie sich etliche und vierzigMahle ihre Richtung ändernd das steile grause Thal hinab zur untern Tessinbrücke; hier, wo sic oft 50 Schuh hoch mitLauinenschnce bedeckt ist, der zuweilen noch in den Sommernionathen ein Gewölbe über den Tessin bildet, zieht sie sicheine Weile dunklen feuchten Felsen entlang, gerade hinaus bis zum Alpengelände Cinva del Bosco, dann weit rechts demsüdöstlichen Fusse der Fibia entlang, darauf in wiederholtem Zikzak über, mit Granaten reich besäten Gliinmerschicfer-Feisendurch den Wald Piotella hinab, Airolo immer vor sich, selbes immer fliehend; und endlich bildet sie noch einen ungeheurenEllenbogen, bis zum Eingang in's Bcdretterlhal, um der Thalfläche entlang auf Eriels hinein zu gelangen. Vielleicht HerrnCamossi zu lieb so angelegt, damit die von Ursern kommenden Reisenden bis zur Fülterungszeit nicht über dessen, allerdingstrefflichen Gaslhof hinaus gelangen.

Der Tessin entspringt wie schon oben bemerkt worden, im Grunde des Tremolathalcs aus dem Sellasce und denbenachbarten Seen des Gotthards, die auf dessen südlichen Abdachung in Becken liegend, eigentlich schon zum Tremolalhalegehören. Zufluss erhält er noch aus dem hohen Fclsenthälehen zwischen dem Sella und Schipsius, und dem Sorcsciathälchen.Er stürzt vom Hospiz bis Airolo in mehrern schönen Fällen 476 Klafter, während er in seinem weitern Kauf bis zum Langcnsccnicht viel stärker fällt, nehmlich von Airolo bis Giornico 406 Klafter, von da bis Magadiuo 77 Klafter. Das Tremolathal istvon der ganzen Gollhardsslrasse die gefährlichste Stelle, von oben bis unten den Lauinen ausgesetzt, daher sich Reisendeimmer an die Rälhe und Weisungen der Bewohner dieser Gegenden zu halten haben, wenn sie nicht Gefahr laufen wollen,unglücklich zu werden. Vorzüglich gefährlich und schauerlich ist der enge Schlund bey der untern Tessinbriicke, schauriger nochdurch die schwarze Farbe der sie umgebenden Felsen, die fast immer feucht oder nass sind, da vom Ende October bis zum folgendenJuny kein Sonnenstrahl in diese Kluft dringt. Hier war es auch, wo den 25. Ilerbstmonath 1799 die Russen in dichtengedrängten Haufen mit Tollkühnheit auf die Franzosen anstürmten, die mit Hartnäckigkeit den Pass verlkeidigten, und vonwelchen in den gedrängten Massen fast kein Schuss verloren gehen konnte. Furchtbar mögen die Felsen dieser Wildniss vom