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Funfzehn Ansichten der neuen St. Gotthards-Strasse vom St. Gotthard-Hospiz bis Lugano / nach der Natur gezeichnet und geätzt von Joseph Meinrad Kälin, Jakob Suter; nebst einer Beschreibung von Herrn Karl Franz Lusser
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und Brombeerengestrüpp dahin durch das Thal der Verwüstung, das im August 1747 in Folge heftiger Regen und Erdschlipfedurch den Tessin und Blegno noch einmal ganz übcrflulhet, und mit Schutt überführt wurde, wodurch den Einwohnern vollendsaller Muth für Wicderanbauung entsank, so dass nun der Tessin ohne Dämme sich vielarmig über die lange, durch ein sehrmildes Cliina begünstigte Ebene dahin wälzt, und ungesunde Moraste erzeugt. So traurig die grässlich verwüstete Thalebcneaussieht, so erfreulich ist der Anblick der beyden Bergabhänge. Besonders sind an der Westseite des Thale die herrlichstenCastanicnwälder, zwischen welchen an dem Berggelände die Dörfer Posilo, Molano, Preonzo und Gnosca freundlich hängen, dieschöne Capelle St. Carpoforo und die Kirche Gorduno auf einem Hügel am Fusse des Berges Carasso erglänzen. Oestlichder Strasse der reizende fruchtbare, schön terrassirte Hügel Claro, aus dessen grünen Baumgruppen romantisch ein kleinesNonnenklösterchen vom Benediclinerorden gukt, und das Dorf gleichen Namens überschaut, welches einige hundert Schrilleder Strasse zur Linken bleibt. Hier verlässt man das Gebiet der Riviera, und befindet sieb bald auf der Moesabrücke, nahebey dem Erguss dieses wilden Wassers in den Tessin . Dicht an dieser Brücke vereint sich die über den Bernardin durch dasMisoxerthal kommende Biindtnerstrasse , welche unfern oberhalb Luinino den Canton Tessin berührt. Auf dieser Brücke mussman ein wenig stehen bleiben, aber nicht bloss sich an den lachenden Gegenden gegen Bellenz weiden, sondern sich umwenden;denn eine schöne Aussicht über die ganze Riviera bis hinein nach Oberlivinen und nach den Eingängen des Polenzer- undMisoxerthals werden dem für mahlerische Landschaften nicht Empfindungslosen hohen Genuss gewähren.

Die Riviera, welche einen eigenen Bezirk des Cantons Tessin ausmacht, hat wie schon bemerkt, ein sehr mildes,wahrhaft italienisches Clima; doch werden weder Trauben noch Castanien so gross und schmakhaft als weiter südlich. Destovortrefflicher ist da der Maulbeerbaum, und wirklich wird die Seide von daher für die vorzüglichste der italienischen Schweiz gehalten. Vor der Ueberschweinmung war der Ackerbau daselbst im schönsten Flor; seit die Gegend aber theils überschüttet,theils verschwemmt ist, hat derselbe sehr abgenommen; dagegen sind an derselben Ursache Arrnulh und Ungesundheit dieserGegend ärger geworden. Viehzucht ist auch hier noch Haupterwerb der Einwohner; doch wird selbe weder mit der Geschicklichkeitnoch mit dem Glück der Liviner betrieben.