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1 (1834) Allgemeine Botanik I / von Gottl. Wilhelm Bischoff
Entstehung
Seite
21
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Pflanzen anch nach dem Trocknen noch untersuchen und ihrenBau erkennen kann, so ist die Methode des Pressens vermittelsteines nicht allzuschwercn Steines der Anwendung einer Hand-presse von Holz oder Eisen, wie sie von Vielen gebraucht wird,vorzuziehen, weil man bei der lcztcrn nie im Stande ist, einenstets gleichen Druck hervorzubringen, sondern diesen bald zuschwach, bald zu stark erhalten wird. Ganz verwerflich ist aberdas zu starke Pressen der Pflanzen, wodurch sie zwar zum Theilein mehr gefälliges Ansehen erhalten, wobei aber auch die Theile,namentlich die zärtcrn der Blüthen, so zerquetscht werden, daßsolche, den Unkundigen zwar leicht ansprechenden, Artefakten zurfernern Untersuchung völlig untauglich und folglich für den Bo-taniker ganz zwecklos sind.

Nun bleibt noch als Hauptsache beim Pflanzcntrockncn, dasöftere und mehrere Tage, ja in einzelnen Fällen Wochen hindurchfortgcseztc Umlegen der Pflanzen in trockenes Fließpapier, wobeiman die ausgebreiteten Pflanzen unberührt zwischen ihren beidenDrnckpapierblättcrn liegen läßt und jeden Tag nur die dazwischenliegenden, durch den aufgesogenen Saft der Pflanzen feucht gewor-denen Lagen des Fließpapiers mit trockenen Lagen vertauscht,ein Geschäft, welches bei einer mäßigen Pflanzenmenge nur we-nige Zeit und Mühe erfordert. Das Trockcnwerden der Pflanzenlaßt sich ungcmein beschleunigen, wenn man erwärmtes Papierzum Umlegen derselben anwenden kann; auch trägt es offenbarzum schnellern Trocknen bei, wenn man das Erstemal mit demUmlegen der Pflanzen nicht länger als 12 Stunden wartet unddann regelmäßig alle 24 Stunden diese Operation wiederholt, bisdie Pflanzen fast trocken geworden; dann kann anch wohl ohneNachtheil zuweilen ein Tag mit dem Wechseln derselben ansge-sczt werden. Die Zeit, innerhalb welcher eine Pflanze vollkom-men trocknet, ist verschieden nach dem mehr oder weniger safti-gen Bau, besonders aber »ach der leichter oder schwerer vor sichgehenden Verdunstung, vdcr mit andern Worten, nach der mehrwässerigen oder zähen (schleimigen, klebrigen, milchigen u. s. w.)Beschaffenheit des in ihr enthaltenen Saftes. So wird z. V- eineGrasart im Allgemeinen schneller trocknen als ein Hasel-Buchen- oder Eichenzweig und dieser wieder in kürzererZeit alseine Wolfsmilch- und Lauchart oder als eine Lilie