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und Tulpe. Während demnach manche Pflanzen in wenigenTagen trocknen, könnet: bei andern 3 bis 4 Wochen vergehen,bevor man sie aus der Presse nehmen darf. Für vollkommengetrocknet ist eine Pflanze aber nur dann zu achten, wenn sichkeiner ihrer Theile mehr kalt oder wenigstens kühl beim Anfüh-len zeigt.
Diese Zeit kann indessen, wie schon bemerkt, sehr abgekürztwerden, wenn man mäßig erwärmtes Papier zum Umlegen an.wendet; doch ist es gut, nicht gleich Anfangs, sondern nach eini-gen Tagen sich des erwärmten Papiers zu bedienen, und diePflanzen zuerst in ungcwärmtes Papier umzulegen, weil vieleBlätter und Blüthemhcile durch die Wärme leicht zu schnell aus-trocknen und dadurch uneben wbrdcn.
Dieß sind die einfachen Regeln, deren Beobachtung beim Pflan-zcntrvcknen in den meisten Fallen hinreichend ist. Doch gibt esauch Fälle, wo man, um sicher zum Zwecke zu gelangen, nochvor und bei dem Einlegen der Pflanzen verschiedene eigene Vcr-fabrungsweisen in Anwendung zu bringen hat. Bei sehr saft-reichen Pflanzen, vorzüglich bei Zwiebel- und manchen Knol-lengewächsen, ferner bei Hanslauch- (8empevv!vum),Mauerpfeffer- (8ockum), Fackeldistel arten ((lnetus), betTangen (k'ucus), Ulven (Illva) u. a. m. würde man nachder bcscbriebcncn Methode seinen Zweck nur sehr unvollständigund zum Theil gar nicht erreichen, weil viele dieser Gewächseselbst unter der Presse lange fort vegetircn, oft völlig verblühen,ihre Blätter fallen lassen oder sogar mit Schimmel und Moderüberdeckt werden. Bei solchen Pflanzen muß man vor dem Ein-legen die Lebenskraft ertödten. Dieß geschieht durch Abbrühenin heißem Wasser, wobei man sich jedoch wohl hüten muß, dieBlüthen einzutauchen, weil diese dadurch meist ganz verdorben> und unkenntlich werden; daher man über diese, nachdem diePflanzen zwischen ihren beiden Druckpapicrblättcrn auf eine Unter-läge von Fließpapier gelegt worden, noch mit einem warmen Bügel-eisen so lange behutsam herstrcichen muß, bis man an dem aus-dringenden Safte bemerkt, daß auch sie ertövtct seyen. Mankann aber auch das Abbrühen, wodurch ohncdicß die grüne Farbeleicht verbleicht, völlig entbehren, wenn man die ganze Pflanze,nachdem sie zwischen ihren Drnckpapierblättern ausgebreitet wor-