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Die Sonne und die Planeten : populär-wissenschaftlich dargestellt / von E. Becker
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turig zum aufsteigenden Knoten einschließt, um mit Hilfe der be-kannten Länge der großen Achse und der Exccntricität die Bahnvollständig konstruieren zu können. Weiß man nun noch, inwelchem Punkte der Bahn der Planet zu irgend einer Zeit sichbefand, kennt man mit anderen Worten als sechstes Element diesogenannte mittlere Anomalie oder mittlere Länge für einen ge-wissen Zeitpunkt, so läßt sich mit Hilfe des zweiten und drittenKeplerschen Gesetzes sein Ort zu jeder anderen, früheren oderspäteren Zeit berechnen. Dennoch darf man nicht erwarten, daßder so berechnete Ort, selbst wenn die Elemente der Bahn mitder größten Schärfe ermittelt worden sind, stets mit dem wirk-lichen Stande des Planeten am Himmel übereinstimmen wird.Schon nach kurzer Zeit wird man Abweichungen finden, die mitder Zeit zu sehr merklichem Betrage anwachsen können. Zu denZeiten Keplers besaßen die Beobachtungen noch nicht den Gradvon Genauigkeit, welcher jene Unterschiede mit Sicherheit hätteerkennen lassen können. Als sie aber mit den verfeinertenMeßvorrichtungen der späteren Zeit bemerkt werden konnten undmußten, da befand sich auch die Theorie im Besitz der Mittel,um sie zu erklären und in ihnen die schönste Bestätigung ihrerselbst zu erhalten.

Die allgemeine Schwere.

Durch die drei Gesetze, welche an Keplers unsterblichenNamen geknüpft sind, wurde das kopernikanische System fürimmer von seinen letzten willkürlichen Annahmen befreit. Abersogleich trat die neue Frage auf, was denn die Ursache dieser Gesetzeund besonders der durch sie ausgedrückten geheimnisvollen Zahlen-verhältnisse sei. Es war Kepler versagt, dieses oberste Gesetz,gleichsam die Grundharmonie, die in allen Bewegungen wieder-klingt, zu ergründen. Obwohl er in seinen tiefsinnigen Speku-