274 Dritter Abschnitt. Doppelt chromsaures Kali gegen Zinnchlorür.
Die Bestimmung des Quecksilbers durch Reduction mit Zinnchlorürist eine gewichtsanalytische Operation von grosser Schärfe. Bei dervon Streng angegebenen Methode wird das nicht vom Quecksilber-salz zersetzte Zinnchlorür durch Chromlösung bestimmt. Man löst diequecksilberhaltige Substanz in Salzsäure auf, setzt überschüssiges Zinn-chlorür aus ein.er Bürette hinzu, erwärmt so lange, bis das Quecksilbersich zu Metall reducirt und fest zusammengeballt hat, was noch unterder Siedhitze stattfindet, giesst von dem metallischen Quecksilber ab,spült einigemal mit ausgekochtem Wasser nach und bestimmt das über-schüssige Zinnchlorür in bekannter Art mit Chromlösung. Da man denTitre der Zinnchlorürlösung eben bestimmt hat, so berechnet man, wieviel die ganze Menge des angewendeten Zinnchloriirs verbraucht habenwürde, zieht davon das wirklich auf den Rest verbrauchte Quantum abund berechnet das davon Uebrigbleibende auf die gesuchte Substanz.
Es macht nothwendig einen grossen Unterschied in der Berechnung,ob das Quecksilber in einer dem Oxyd oder Chlorid oder in einer demOxydul oder Chlorür entsprechenden Verbindung vorhanden sei. DasChlorid giebt an das Zinnsalz 1 Atom Chlor, das Chlorür nur y 2 AtomChlor ab. Ueber diesen Umstand kann man niemals im Unklaren sein,weil sich durch Zusatz von Salzsäure sogleich entscheiden lässt, ob dasQuecksilber als Oxydul vorhanden sei oder nicht. Man muss es nurbeachten. Die mit Zinnchlorür gemachten Analysen von Sublimat zeig-ten anhaltend zu wenig Quecksilber im Resultat. So erhielt ich statt0,5 Grm. Sublimat 0,488 Grm.; statt 1 Grm. nur 0,9719 Grm. und solängere Zeit. Den Grund dieses Verhaltens fand ich zum grossen Theildarin, dass der Niederschlag noch Quecksilbercltlbrür enthalten kann,während in der verdünnten, darüber stehenden Flüssigkeit noch Zinn-chlorür befindlich ist. Es ist alsdann zu wenig Zinnchlorür zerstörtworden, und man gebraucht nachher mehr Chromlösung, als dem rich-tig verlaufenen Processe entsprochen hätte.
Auf 1 Grm. in Salzsäure gelösten Sublimats wurden 20 CC. Zinn-chlorür gegeben, welche ihrem Titre nach gleich 74,8 CC. Chromlösungwaren. Nach längerer Einwirkung in der Wärme war das Metall ziem-lich zusammengegangen. Es wurde abgegossen und es fand sich nochZinnchlorür in der Flüssigkeit, welches durch 11 CC. Chromlösung ge-messen wurde. Auf den Rückstand wurden noch einmal 5 CC. Zinn-chlorür mit Salzsäure (= 18,7 CC. Chromlösung) gegeben und nachlängerer Einwirkung wurden nur 10 CC. Chromlösung dagegen ver-braucht. Die dem Zinnchlorür entsprechende Chromlösung betrug alsoim Ganzen 93,5 CC. und die dagegen verbrauchte Chromlösung 21 CC.Es sind also 72,5 CC. Chromlösung das Maass des Sublimats. Diesemit 0,013551 multiplicirt, geben 0,982447 Grm. Sublimat statt 1,000Grm., also auch hier noch ein kleines Manco. Da es also darauf an-kam, die Bildung von Quecksilberchloriir möglichst zu vermeiden, sodrehte ich die Operationen um.