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Lehrbuch der chemisch-analytischen Titrirmethode : nach eigenen Versuchen und systematisch dargestellt / von Dr. Friedrich Mohr
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Sechsundvierzigstes Capitel. Chlor.

verschwunden. Hätte man etwas länger gewartet, so wäre wahrschein-lich die ganze Menge des Chlors zerstört gewesen.

Die beschriebene Methode, das Chlor zu bestimmen, bezieht sichauf das bereits im freien Zustand befindliche Chlor. Es müsste nun auchgelingen, das in Chloriden gebundene Chlor zu bestimmen, wenn manein Verfahren findet, dasselbe im freien Zustande durch eine Destillationzu entwickeln. Es scheint nun an sich nichts leichter, und dennochgaben mir die dieserhalb angestellten Versuche kein befriedigendes Re-sultat, da es nicht gelang, das sämmtliche Chlor durch eine Destillationüberzutreiben. Ich wandte dazu feingeriebenen Braunstein mit Schwefel-säure und doppelt chromsaures Kali mit Schwefelsäure an.

Ein halbes Gramm Chlornatrium, welches nach der Berechnung0,303317 Grm. Chlor enthält, wurde mit gepulvertem, sehr reinemBraunstein und viel Schwefelsäure destillirt. Beim Oeff'nen der Gefässeroch man kein Chlor. Als aber das Destillationskölbchen erkaltete, be-merkte man einen deutlichen Geruch nach Chlor. Das Resultat gab0,2758 Grm. Chlor statt 0,30317 Grm.

Eine zweite ganz gleiche Operation gab 0,2858 Grm. Chlor, eben-falls zu wenig bei einem Körper, der sich durch Silber so genau be-stimmen lässt.

0,5 Grm. Chlornatrium mit saurem chromsaurem Kali und vielüberschüssiger, wenig verdünnter Schwefelsäure destillirt, gab 0,28309Grm. Chlor. Auch hier zeigte sich sogleich beim Oeffnen der nochwarmen Gefässe kein Geruch nach Chlor, wohl aber nach einiger Zeit.Es wurde deshalb eine zweite Destillation derselben Substanz vorge-nommen, deren Product aber in obiger Zahl schon mit enthalten ist.

Ob reines übermangansaures Kali ein besseres Resultat giebt, konnteich diesmal nicht prüfen. Ein ganz unbefriedigendes Resultat, wo dieHälfte des Chlors fehlte, gab mir die trockene Destillation von einemfein gepulverten Gemenge von dem Chlorid (Kochsalz), doppelt schwefel-saurem Kali und Braunstein. Trotz der Erhitzung bis zum Glühen ineiner Glasröhre war nicht alles Chlor entwichen.