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Lehrbuch der chemisch-analytischen Titrirmethode : nach eigenen Versuchen und systematisch dargestellt / von Dr. Friedrich Mohr
Seite
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380 Nachträge. Unterschwefligsaures Natron gegen Jodlösung.

Bei der Oxydation der unterschwefligen Säure durch Jod erhältman eine Flüssigkeit, welche mit Barytsalzen keinen Niederschlag er-zeugt, also keine Schwefelsäure enthält. Ganz anders verhält sich Chlor.Es entsteht sogleich Schwefelsäure, welche durch Barytsalze in saurerLösung angezeigt wird. Wenn nichts anderes dabei entsteht, so über-trägt 1 At. Chlor achtmal so viel Sauerstoff an die unterschwellige Säureals 1 At. Jod; denn 2 At. unterschweflige Säure, S 4 O 4 , müssen noch8 At. Sauerstoff aufnehmen, um in 4 At. Schwefelsäure ("S 4 0 12 = 4 S 0 3 )überzugehen, während sie nur 1 At. Sauerstoff aufnehmen, um in Tetra-thionsäure (S 4 0 5 ) überzugehen.

Fügt man dagegen dem freien Chlor eine überschüssige Menge Jod-kalium zu, so verdrängt es daraus eine äquivalente Menge Jod, unddiese kann nun mit unterschwefligsaurem Natron gemessen werden. DieFlüssigkeit enthält alsdann keine Schwefelsäure.

10 CC. Chlorwasser wurden aus einer Pipette in Jodkaliumlösungeinlaufen gelassen und bis zum Verschwinden der gelben Farbe mitunterschwefligsaurem Natron versetzt. Es wurden 14,8 CC. davongebraucht.

Zum Vergleich wurden 15 CC. Arseniklösung in ein Glas gebracht,und 10 CC. Chlorwasser dazu gelassen, dann Stärkelösung zugesetzt undmit Jodlösung blau titrirt. Es wurden 0,2 CC. Zehent-Jodlösung ge-braucht. Es sind also ebenfalls 14,8 CC. Arseniklösung verbrauchtworden.

Das unterschwefligsaure Natron gebraucht gleichviel Jodlösung, esmag für sich rein vorhanden, oder mit Salzsäure, oder mit reinem koh-lensauren Natron versetzt sein. Letzteres muss man jedoch für sichallein mit Jodlösung prüfen, ob es von dem ersten Tropfen Jodlösunggelb wird, respective blau, wenn Stärke zugesetzt war. Wenn dies nichtder Fall ist, so gebraucht man, je nach der Grösse des Zusatzes, mehrJodlösung. Lässt man dagegen das Chlorwasser in eine Lösung vondoppeltkohlensaurem Natron laufen und setzt dann erst Jodkalium zu,so tritt die Entfärbung viel früher ein, und durch Zusatz von Salzsäurewird die gelbe Jodfarbe wieder hervorgerufen. Es ist also nothwendig,dass das Chlorwasser nicht in einer alkalischen Lösung behandelt werde,sondern in einer sauren und verdünnten.

Um die Wirkung des Chlorwassers ohne Jodkalium zu erkennen,wurden 10 CC. desselben Chlorwassers in destillirtes Wasser gelassen,und dazu 10 CC. unterschwefligsaures Natron gebracht, dann Stärke-lösung, und zuletzt mit Jodlösung blau gemacht.

Es wurden

1) 7,2 CC. Jodlösung

2 ) 7

gebraucht; es waren also von 10 CC. Chlorwasser

1) 2,8 CC. unterschwefligsaures Natron

2) 3