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Lehrbuch der chemisch-analytischen Titrirmethode : nach eigenen Versuchen und systematisch dargestellt / von Dr. Friedrich Mohr
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Drittes Capitel. Chlor.

bleibende Trübung zu erhalten, man daraus die Menge des Chlors oderChlormetalls bestimmen kann, da 1 At. Quecksilberoxyd genau einemAt. Chlor oder Chlormetall entspricht.

Kennt man den Kochsalzgehalt, so würde man auch umgekehrt denQuecksilberoxydgehalt in einer Flüssigkeit, die kein Chlor enthält, durchdie zur Auflösung des Niederschlages nöthige Menge der Kochsalzlösungfinden können, wenn man durch Harnstoff zuerst einen Niederschlag er-zeugt hat und diesen durch Zusatz einer titrirten Kochsalzlösung zumVerschwinden bringt.

Der Harnstoff ist bei dieser Probe der Indicator, wie das chrom-saure Kali, die Stärkelösung bei anderen maassanalytischen Operationen.Die Verbindung, welche der Harnstoff unter obigen Verhältnissen mitdem Quecksilberoxyd eingeht, ist salpetersaurer Quecksilberoxyd-Harn-stoff. Je nach dem Verhältnisse, in welchem die beiden Lösungen ge-mischt werden, oder aus dem Säuregehalt des Quecksilbersalzes entstehendrei Verbindungen oder Gemenge derselben, die sich durch ihren Gehaltan Quecksilberoxyd unterscheiden.

Wenn man beide Flüssigkeiten sehr verdünnt und warm mischt,und den entstehenden Niederschlag in der Flüssigkeit stehen lässt, sofällt er ziemlich schnell zu einem weissen Pulver zusammen. DieserKörper enthält auf 1 At. Salpetersäure und 1 At. Harnstoff 4 At. Queck-silberoxyd.

Setzt man einer Harnstofflösung eine verdünnte Lösung von sal-petersaurem Quecksilberoxyd zu, so lange sich noch ein Niederschlagbildet, und überlässt den weissen Brei an einem 40 bis 50° warmenOrte sich selbst, so verwandelt er sich in sechsseitige undurchsichtigeBlättchen, welche nur 3 At. Quecksilberoxyd enthalten, meistens abervon den anderen Verbindungen Beimengungen enthalten; und endlichentsteht unter Verhältnissen, die bei unserer Analyse nicht Vorkommen,eine Verbindung mit 2 At. Quecksilberoxyd, von welcher wir hier ganzabsehen.

Es dürfte also vorzugsweise die erste der drei erwähnten Verbin-dungen bei unseren Versuchen entstehen.

Das salpetersaure Harnstoff-Quecksilberoxyd hat eine Eigenschaft,welche der Sicherheit der Analysen wesentlichen Eintrag thut; es istdies seine Leichtlöslichkeit in freier Salpetersäure. Da aber das sal-petersaure Quecksilberoxyd niemals ohne etwas freie Säure existirenkann, so kommt die Wirkung derselben mit dem rechtzeitigen Erscheinendes Niederschlages in Collision. Es würde demnach die Methode wesent-lich verbessert werden, wenn man ihr eine andere Indicatorsubstanzstatt des Harnstoffs unterlegte, deren Niederschlag mit dem Quecksilber-oxyd gegen freie Säure unempfindlich wäre. Eine zweite Substanz gehtschon aus dem erwähnten Aufsatze von Liebig selbst hervor, nämlichdas phosphorsaure Natron. Auch mit diesem entsteht nicht eher einbleibender Niederschlag von phosphorsaurem Quecksilberoxyd, als bis

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