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Lehrbuch der chemisch-analytischen Titrirmethode : nach eigenen Versuchen und systematisch dargestellt / von Dr. Friedrich Mohr
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Vierter Abschnitt. Fällungsanalysen.

alles Chlormetall zersetzt ist. Es theilt jedoch dieser Niederschlag diegemeinschaftliche Eigenschaft der in Wasser unlöslichen phosphorsaurenVerbindungen der Löslichkeit in freier Salpetersäure und er entsprichtdeshalb unserer Anforderung nicht.

Auf eine Mittheilung von Herrn Ludwig Kieffer in Gottmadingenhabe ich das rothe Ferridcyankalium oder Kaliumeisencyanid zu demsel-ben Zwecke mit dem besten Erfolge angewendet. Dieses Salz verhält sichzn salpetersaurer Quecksilberoxydlösung wie der Harnstoff. Wird näm-lich zn Chlormetalllösnngen, welche mit dem Kaliumeisencyanid keinenNiederschlag geben , salpetersaure Quecksilberoxydlösung zugefiigt, soentsteht so lange kein Niederschlag, bis alles Chlor durch Quecksilbergebunden ist, und salpetersaures Quecksilberoxyd im Ueberschuss vorhan-den ist. Dieser Niederschlag ist in kalter verdünnter Salpetersäure voll-kommen unlöslich, und deshalb die Grenze der Erscheinung gar nichtan den mehr oder minder sauren Zustand der Quecksilberlösung gebun-den. Man setzt der zu prüfenden Flüssigkeit einige Körnchen Kalium-eisencyanid zu, löst dieselben auf und lässt die titrirte Quecksilberlösungaus der Bürette einfliessen, bis der Niederschlag nicht mehr durch Um-riitteln verschwindet. Der Niederschlag hat eine grüngelbliche Farbe,und da er in der von dem Kaliumeisencyanid gelb gefärbten Flüssigkeitschwimmt, so erhält die Flüssigkeit die grösste Aehnlichkeit in Farbeund Ansehen mit den bekannten opalartig schillernden Uranoxydglä-sern. Wenn schon bei Anwendung von Harnstoff die grösstmöglichsteReinheit der Quecksilberlösung von fremden Metallen, namentlich Wis-muth, Blei, nothwendig ist, so ist dies noch mehr bei Anwendung desKaliumeisencyanids der Fall. Die kleinste Spur solcher fremden Metallegiebt sich durch eine schwache Trübung zu erkennen, welche bei ver-mehrtem Zusatz der Quecksilberlösung nicht entsprechend wächst, indemman von einer so höchst geringen Trübung wohl die Existenz, abernicht leicht ihre etwas stärkere und schwächere Intensität wahrnehmenkann. Auch entsteht die Trübung nicht bei den ersten kleinen Zusätzender Quecksilberoxydlösung, sondern erst bei Anwendung grösserer Men-gen. Da diese Niederschläge mit fremden Metallen sich nicht in derselbenArt, wie jener des Quecksilbers, mit Chlormetallen in lösliche Verbin-dungen umsetzen, so erkennt man eine solche Verunreinigung der Queck-silberlösung daran, dass eine stark getrübte Flüssigkeit durch Zusatzvon Kochsalzlösung nicht vollständig aufgehellt wird, sondern dass einesehr schwache Opalisirung constant vorhanden bleibt. Es kommt des-halb auf die grösstmöglichste Reinheit der Quecksilberlösung an.

Um sich eine solche reine Quecksilberlösung zu verschaffen, verfährtman am besten in der Art, dass man aus möglichst reinem Quecksilber undreiner Salpetersäure sich eine Krystallisation von salpetersaurem Queck-silberoxydul bereitet und diese Krystalle, nachdem man die Mutterlaugemöglichst sorgfältig davon getrennt, noch einigemal umkrystallisirt. ZurLösung muss jedesmal etwas Salpetersäure zugesetzt werden, da die