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Fünftes Capitel. Silber.
schwachen Kochsalzlösung noch hinzu addirt, welche nothwendig sind,um den liest des Silbers zu fällen. Es ist dies der allgemeine Gangdieser Analyse, auf deren einzelne Details wir jetzt übergehen wollen.Bei dem grossen Werthe des in Frage stehenden Metalles sind alle ein-zelnen Gesichtspunkte so sehr ins Kleinste bearbeitet worden, dass dieserein technische Operation zu der Genauigkeit der schärfsten analytischenTrennung gebracht worden ist.
Das Probenehmen.
Da es sich immer von metallischen Gemengen von Silber und an-deren Metallen, meistens Kupfer, handelt, so müssen die richtigen Men-gen der Probe auf mechanischem Wege dargestellt werden. Ist dasMetall in Gestalt von dünnen Blechen oder Drähten, so kann man diesmit der Blechscheere oder Kneifzange verkleinern. Sind die Stücke mas-siv, so dass sie sich nicht auswalzen lassen, oder gearbeitet, so dasssie nicht verändert werden dürfen, so muss man die zur Probe nöthigeMenge entweder mit einem Metallbohrer, der in einem Gestelle einge-spannt ist, lostrennen, oder man muss von der unteren Seite des nochnicht fertigen Geräthes mit einem Schaber so viel wegnehmen als nöthigist. Die einzelnen auf der Wage liegenden Stückchen werden, wennsie zu schwer sind, in der Hand mit der Kneifzange und zuletzt mitder Feile verkleinert, bis sie das richtige Gewicht haben. Uebung thuthier sehr viel, und auf einer gut arbeitenden Wage ist eine Wägungbis auf Einstehen der Zunge in wenigen Minuten vollendet. Hier hängtnun freilich Alles von der Beschaffenheit der Wage ab. Mit den inchemischen Laboratorien üblichen langarmigen Wagen und unbehiilfli-chen Arretirungsvorrichtungen möchte man allerdings viele Zeit versäu-men und nichts fördern. Es ist eine ganz andere Arbeit, das Gewichtvon einem gegebenen Körper zu bestimmen oder einen Körper einem be-stimmten Gewichte gleich zu machen. Das letzte ist viel mühevoller. DasAbwägen ist aber überhaupt eine Kunst, die sehr selten und häufig nichteinmal von den Lehrern der Chemie verstanden wird.
Die zum schnellen und exacten Wägen kleiner Mengen bestimmtenWagen haben kleine leichte Balken von etwa 180 Millimeter Länge.Die von Deleuil in Paris speciell zur Silberanalyse verfertigten sindaus Stahl gearbeitet, haben einen massiven, hochkantigen, glänzend po-lirten Balken, gar keine Ajustirungsvorrichtungen und kosten den fabel-haften Preis von 800 Franken. Deleuil bringt absichtlich keine Aju-stirungsvorrichtungen an, damit man die Wage nicht durch ungeschick-tes Drehen von Schrauben in Unordnung bringen könne; er hat näm-lich die geringsten Meinungen von der manuellen Geschicklichkeit derChemiker. Seine Wagen kommen ajustirt aus seinen Händen und kön-nen dann nicht durch Versuchen und Drehen in Unordnung gebrachtwerden, da keine Angriffspunkte dazu vorhanden sind. Beim Gebrauche