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Lehrbuch der chemisch-analytischen Titrirmethode : nach eigenen Versuchen und systematisch dargestellt / von Dr. Friedrich Mohr
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Fünftes Capitel. Silber. 45

beim Loslassen die Schalen nicht in Schwankung gerathen. Diese Vor-richtung arbeitet ungemein sicher. Die Wage giebt immer sogleich dierichtige Antwort, weil beide Scheiben, an derselben Achse unbeweglichbefestigt, ganz genau in derselben Zeit die Wagschalen verlassen müs-sen. Zu jeder Wegnahme oder Zulage eines Gewichtes mit der rechtenHand drückt man mit dem Zeigefinger der linken Hand die Scheiben indie Höhe, was gegen das frühere Herumdrehen der Griffscheibe beischwingenden Wagen ein erheblicher Gewinn ist. Zugleich zeigt Fig. 4die oben erwähnte Balkenarretirung in richtiger Form, wie sie un-ter der Schalenarretirung weg in den Fuss der Säule geht, welche dieWage trägt.

Ganz wesentlich ist es, die Balkenarretirung nicht mit einer Scheibeanfassen zu lassen, sondern mit einem excentrischen Griffe, der an einemsenkrecht auf der Achse sitzenden Arme angebracht ist. Um die Bewe-gung sanft zu machen, gebe man diesem Arme eine Länge von 45 bis55 mm . Ich nenne diese Wage die Substanzenwage, weil sie nicht be-stimmt ist, Gefässe zu tragen. Sie ist stark genug für 20 Grm., wirdaber mit Substanzen selten über 5 Grm. in Anspruch genommen. DieSchnelligkeit, womit man auf einer solchen Wage wägen kann, hat ne-ben dem Zeitgewinn den grossen Vortheil, dass man selbst ziemlich hy-groskopische Substanzen im vollkommen trockenen Zustande abwägenkann. Ohne eine eigentliche Substanzenwage kann ein chemisches La-boratorium nicht für gut ausgestattet angesehen werden.

Auflösung der Silberprobe.

Man bringt die gewogene Probe in eine mit gut schliessendem glä-sernen Stopfen versehene Flasche. Die Grösse dieser Flasche muss sogewählt sein, dass sie bei einem Inhalt von 100 CC. Kochsalzlösungund 10 bis 15 CC. Salpetersäure noch leeren Baum genug enthält, umwirksam schütteln zu können. Im Ganzen soll sie also 250 bis 800 CC.fassen. Die zur Lösung nöthige Salpetersäure muss vollkommen chlorfreisein, eine leicht zu leistende Bedingung. Starke Salpetersäure löst dasSilber langsamer auf als schwache, weil das salpetersaure Silberoxydin Salpetersäure schwer löslich ist. Die officinelle Salpetersäure von1,200 specif. Gew. ist am passendsten.

Das Glas setzt man an einen warmen Ort oder in warmes Wasser.Die Glasstopfen kann man daneben legen oder auch lose aufsetzen. Sielüften sich und lassen Gas aus. Es ist zweckmässig, die Glasstopfenund Gläser mit gleichen Nummern mittelst eines Diamantstiftes zu be-zeichnen, um Verwechselungen zu vermeiden. Hat man zu starke Sal-petersäure angewendet, so liegt nach geringer Einwirkung die Probeganz ruhig in der Säure. Setzt man etwas destillirtes Wasser hinzu,so beginnt die Einwirkung von Neuem.