7(5 Vierter Abschnitt. Fällungsanalysen.
Zur Bestimmung der Schwefelsäure in Salzen hat Levol*) eineMethode angegeben, die leider nur in Ermangelung einer besserenBeachtung verdient. Er fällt die Schwefelsäure mit einer titrirten Blei-lösung, setzt aber der Salzlösung eine kleine Menge Jodkalium zu,welches als Indicator dient. Durch die Bleilösung wird schwefelsauresBleioxyd und Jodblei gefällt, von denen das letztere durch seine schöneFarbe erkennbar ist. Es soll nun erst dann Jodblei gefällt werden, wennalle Schwefelsäure gefällt ist. Allein dies ist die kranke Stelle an dieserMethode. Jodblei und schwefelsaures Alkali zersetzen sich allerdingsin schwefelsaures Bleioxyd und Jodalkalimetall, allein sehr langsam.
Setzt man zu einer kalten Lösung eines jodkaliumhaltigen schwe-felsauren Salzes einige Tropfen einer Lösung von salpetersaurem Blei-oxyd, so entsteht sogleich eine gelbe Färbung und diese verschwindethäufig nicht in den ersten zehn Minuten. Erwärmt man das Gemenge,so geht die Entfärbung rascher vor sich, indem nun Jodblei gelöst wird,und sich mit dem ebenfalls gelösten schwefelsaurem Alkali umsetzt.Alles aber, was die Löslichkeit des Jodbleies vermehrt, ist ein Eingriffin die Function des Indicators, denn gerade die Fällung des Jodbleiessoll das Ende der Operation anzeigen. Würde man die Flüssigkeit ver-dünnen und erhitzen, so würde zwar die Zersetzung augenblicklich vorsich gehen, allein es könnte sich dann kein Jodblei ausscheiden unddas Ziel wäre verfehlt.
Wenn man frisch gefälltes Jodblei mit grossen Mengen Glauber-salz schüttelt, so verschwindet die gelbe Farbe des Jodbleies erst nachStunden vollständig, und eine Auflösung von schwefelsaurem Kali,welche mit Jodkalium versetzt und durch Bleilösung bis zur bleibendgelben Farbe gebracht war, zeigte filtrirt mit Barytsalzen noch reich-lichen Gehalt an Schwefelsäure.
Es ist eine wesentliche Bedingung bei Anwendung von Indicatoren,dass die damit hervorgerufene Erscheinung durch Vermischung mit demzu bestimmenden Körper augenblicklich wieder verschwinde. Alle gutenMethoden haben diese Eigenschaft; so z. B. entfärbt schweflige oder arse-nige Säure augenblicklich die bereits gebildete Jodstärke, Chlornatrium daschromsaure Silberoxyd. Bei obiger Methode ist dies nun nicht der Fall,denn umgekehrt wird frisch gefälltes schwefelsaures Bleioxyd mit Jodka-lium übergossen gelb, was eine Bildung von Jodblei anzeigt. Da dieZersetzung zwischen Jodblei und schwefelsaurem Salze nicht zu Endegeht, so ist einleuchtend, dass man die Schwefelsäure zu gering bestimmenwerde, trotzdem dass ein Theil des Fällungsmittels auf einen ganz frem-den Körper, das Jodkalium, verwendet worden ist. Um die Zahlen-resultate zu prüfen, wurde eine normale Lösung von salpetersauremBleioxyd mit 1 At. oder 165,57 Grm. im Litre angefertigt, und zum
*) Bulletin de la Soeiete d'encouragement, Avril 1853, p. 220; Dingler’s polyt. Journ.Bd. 128, S. 447.