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Vierter Abschnitt. Fälhmgsanalysen.
Erscheinung ist ungemein deutlich. Bei der Blausäurebestimmung istdas Auftreten der blauen Farbe, bei der Kupferbestimmung das Ver-schwinden derselben das sichtbare Zeichen der vollendeten Operation.Ich kann nicht sagen, welches schärfer zu beurtheilen sei.
Diese Bestimmungsweise empfiehlt sich dadurch ganz besonders,dass durch die Lösung der Kupferoxydsalze in Ammoniak die meistenfremden Metalle schon ausgeschieden werden, namentlich das Eisen,welches häufig mit dem Kupfer zusammen vorkommt, und die Anwen-dung der de Haen’sehen Jodkaliummethode nicht ohne Weiteres zulässt.
Da man sich keine Cyankaliumlösung von bestimmtem Gehalt durcheinfaches Abwägen und Lösen machen kann, so ist es am zweckmässig-sten, sich eine titrirte ammoniakalische Kupferlösung anzufertigen, wor-auf man die Cyankaliumlösung durch bekannte Verfahrungsarten stellenkann. Man wird zugleich dadurch ganz unabhängig von der Natur derZersetzung zwischen diesen beiden Stoffen, da Kupfer mit reinem Kupfergemessen wird.
Will man die ganze Operation ins atomistische System bringen, sohat man sich eine Kupferflüssigkeit darzustellen, welche Yi 0 At. =3,168 Grm. metallisches Kupfer im Litre enthält, und es würde jederCubikcentimeter dieser Flüssigkeit 0,003168 Grm. Kupfer oder 0,003968Grm. Kupferoxyd darstellen. Die Bestimmung des Kupfers ist abereine vorzugsweise hüttenmännisch-chemische Operation, wobei es aufDurchführung eines Systems weniger ankommt, als auf bequeme undsichere Bestimmung des Gehaltes an metallischem Kupfer, und da wederdie ammoniakalische Kupferlösung, noch die Cyankaliumlösung bis jetztin der Maassanalyse eine andere Verwendung finden, so ist es sachge-mäss, der Urflüssigkeit einen empirischen Gehalt mit Zugrundelegungdes Kupfers als Einheit zu geben. Das Verfahren gestaltet sich dannso. Man wäge sich 10 Grm. galvanisch gefälltes chemisch reines Kupferab, in dessen Ermangelung ohne grossen Nachtheil reinen, im ausge-glühten Zustande ganz weichen Kupferdraht, löse ihn in möglichst wenigSalpetersäure auf und spüle die Lösung vorsichtig in die Litreflasche,setze Ammoniak hinzu, bis sich Alles mit der bekannten schönen Azur-farbe gelöst hat, und fülle bei 14°R. mit Wasser bis an die Marke an.
Die Kupferhütten nehmen meistens das von ihnen dargestelltereinste Rosettenkupfer als Atommaass, indem sie nicht wissen wollen,wie viel chemisch reines Kupfer in einem Kupfererze oder Kupfersteineenthalten ist, sondern wieviel sie daraus von ihrer besten verkäuflichenWaare darstellen können. Denselben ist es also freigestellt, 10 Grm.Rosettenkupfer zu 1 Litre zu lösen.
Diese Flüssigkeit enthält in 100 CC. 1 Grm. und in 1 CC. 0,010 Grm.
Man kann sich jetzt eine beliebige Cyankaliumlösung machen undderen Werth auf die obige Flüssigkeit feststellen, oder, was in der Ana-lyse weit bequemer ist, die Cyankaliumlösung mit jener Kupferlösung