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Lehrbuch der chemisch-analytischen Titrirmethode : nach eigenen Versuchen und systematisch dargestellt / von Dr. Friedrich Mohr
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102 Fünfter Abschnitt. Zusammenstellung u. Vergleichung der Parallel-Methoden.

Bei genaueren Arbeiten entfernt man die Kohlensäure ganz durcheinen Ueberschuss von Säure und Kochen, und bestimmt den Ueberschussder Säure durch Normalkali.

Eine Parallelmethode besteht in der Verwandlung der kohlensaurenAlkalien und Erden in trockne, neutrale Chloride und Bestimmung desChlorgehaltes durch Zehentsilberlösung (II, S. 57). Diese Methodezeichnet sich durch eine sehr grosse Schärfe aus. Sie eignet sich deshalbvorzugsweise zur Besimmung kleiner Mengen Substanz, wobei die höchsteSchärfe erforderlich ist. Da sie eine sorgfältige Eindampfung zur Trocknevoraussetzt, so ist sie weniger bequem und handlich, als die alkalimetrische.Kleine Mengen Substanz lassen sich alkalimetrisch aber gar nichtbestimmen.

Um die Uebelstände des Aetznatron und Aetzkali zu beseitigen, vonwelchen selbst auch das Letztere mit der Zeit in gefüllt gebliebenenBüretten fressend auf das Glas wirkt, und welche beide wegen ihrerVerwandtschaft zu Kohlensäure bei nicht ganz vollkommenem Verschlüsseallmählige Veränderungen erleiden, hat man versucht, andere Körper andie Stelle derselben zu setzen.

Hr. Theodor Salzer, Apotheker in Worms, hat mir in einerbrieflichen Mittheilung den Borax empfohlen und eine Reihe von Versuchenmitgetheilt, welche für dessen Anwendung zu sprechen schienen. Beieiner genauen Prüfung dieses Verfahrens fand sich Folgendes:

Reine Borsäure färbt die Lakmustinctur nur schwach violett, ungefährwie freie Kohlensäure. Lässt man Normalsäure zu einer Boraxlösungfliessen, so bemerkt man das Ende der Zersetzung des Borax dadurch,dass die Einfallsstelle der Säure nicht mehr von der anderen Flüssigkeitan der Farbe unterschieden werden kann. Vorher sieht man dieEinfallsstelle durch eine hellzwiebelrothe Färbung der Flüssigkeit, die erstbeim Umschütteln verschwindet. Lässt man dagegen Boraxlösung alsacidimetrisches Mittel in eine freie Säure fallen, so entsteht wegender in Freiheit gesetzten Borsäure nur die violette Farbe der Lakmuslösungund das Ende der Reaction ist nicht deutlich wahrzunehmen. Es kanndeshalb jede Operation nur mit der Normalsäure beendigt werden.

Der Borax ist ferner so schwer löslich, dass man eine normaleLösung (191 Grm. auf 1 Litre) gar nicht darstellen kann. Selbst viertel-normale Lösung (47,75 Grm. auf 1 Litre) lässt bei mittlerer Wärme Boraxauskrystallisiren. Man hätte demnach bei Anwendung von normalerSäure mit 2 ganz ungleich starken Flüssigkeiten zu thun, und müsste dieBoraxlösung durch Division mit 4 oder 5 erst auf Normal reduciren.Zehentflüssigkeit ist zu schwach, um scharfe Reactionen zu ergeben.

Da die Borsäure in der Lösung alkalimetrisch als nicht vorhandenangesehen werden kann, weil sie nicht wie eine freie Mineralsäure wirkt,so kam der Gedanke, kieselsaures Natron oder Wasserglaslösung zudemselben Zwecke anzuwenden.

Es zeigte sich jedoch bei einer Wasserglaslösung, welche halb so