Alkalimetrie.
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stark als normal war, dass die Kieselsäure bald gelatinirte, was mindestensunangenehm war. Da die Kieselsäure gar keine Reaction auf Läkmusausiibt, so konnte man auch in freier Säure durch Zusatz von Wasserglas-lösung die blaue Farbe hervorbringen, was bei Boraxlösung nicht derFall war; weil aber eine normale Lösung zu stark war, um ohne augen-blickliche Ausscheidung von gallertartiger Kieselsäure zersetzt zu werden,so war auch hier der Uebelstand gegeben, mit zwei ungleichen Flüssig-keiten arbeiten zu müssen. Zudem verschlossen sich immer die Ausfluss-spitzen der Büretten durch Gallertbildung, und endlich absorbiren Borax-lösung und kieselsanres Alkali Kohlensäure, fast wie reines Alkali.
Es schien deshalb zweckmässig, sowohl vom Borax als dem Wasser-glase Abstand zu nehmen. Dagegen kam ich auf das älteste acidimetrischeMittel, nämlich das kohlensaure Natron, zurück, und mit einer kleinenAbänderung der Operation wurden die Hindernisse beseitigt, welche michfrüher veranlasst hatten, Aetznatron an die Stelle des kohlensauren zusetzen. Das kohlensaure Natron hat den Vorzug, leicht rein dargestelltwerden zu können, eine normale Lösung zu geben, und die Röhren nichtanzugreifen. Die normale Lösung enthält 53 Gran trocknes, chemischreines kohlensaures Natron oder 143 Grm. krystallisirtes, zehnfach ge-wässertes im Litre.
Setzt man zu einer mit Lakmustinctur versetzten Lösung von kohlen-saurem Natron eine starke Säure, so bemerkt man so lange keine Ver-änderung der Farbe, als sich doppelt-kohlensaures Natron bilden kann,da sowohl einfach- als doppelt-kohlensaures die tiefblaue Farbe der Lak-mustinetur nicht verändern. Sobald aber ungefähr 60 °/ 0 des kohlensaurenNatrons zersetzt sind, bewirkt die frei gewordene Kohlensäure die violetteFärbung. Diese wird immer lichter und die Einfallsstelle der Säure giebtsich durch eine sehr lichte Färbung zu erkennen. An dieser Stelle istaber die Normalsäure vorwaltend. Schüttelt man nun, so verschwindetdie zwiebelrothe Farbe und macht der violetten Platz. So lange alsodie Flüssigkeit einen Stich ins Violette hat, besteht sie aus dem gebildetenNeutralsalze der Normalsäure mit Natron, aus doppelt-kohlensauremNatron und freier Kohlensäure. Das Ende der Zersetzung ist dann ein-getreten, wenn man die Einfallsstelle der Normalsäure nicht mehr durcheine lichtere Färbung unterscheiden kann. Es ist zweckmässig, bei dieserAnordnung des Versuches etwas reichlich Lakmustinctur zuzusetzen,während bei der umgekehrten Operation, aus roth in blau, wenig Lakmuseine schärfere Reaction giebt.
Erhitzt man die kohlensaure Natronflüssigkeit, so entweicht die inFreiheit gesetzte Kohlensäure durch Umschütteln und die Lakmustincturwird wieder blau. Da hierdurch die Deutlichkeit der Erscheinung sehrerhöht wird, so ist ein vorheriges Erhitzen sehr zweckmässig.
Die grösste Schärfe der Beobachtung gestattet immer die im erstenTheile beschriebene Methode mit Normalsäure und Normalkali. ZumZwecke technischer Untersuchungen bedient man sich aber mit Nutzen