Blei.
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in den meisten Fällen eine salpetersaure sein wird, so tritt noch der Um-stand ein, dass sich salpetersaures Bleioxyd anfänglich mit dem Nieder-schlag fällt. Es ist alsdann zu wenig Kleesäure in dem Niederschlagenthalten, und da die Bleibestimmung durch die Kleesäure geschieht, sowird auch hier ein Deficit entstehen, wie es die Versuche ergeben haben.Es ist demnach die Bleibestimmung auf diesem Wege ganz an die voll-ständige Fällung des Bleioxyds in neutraler Verbindung mit Kleesäuregeknüpft. Die Versuche, eine solche unter allen Umständen zu bewirken,haben kein günstiges Resultat gegeben. Stets reagirte das Filtrat vomNiederschlag stark mit Schwefelwasserstoff, man mochte Ammoniak imUeberschusse haben oder nicht. Die ausgeführten Analysen, deren Detailsanzuführen überflüssig ist, gaben immer ein Deficit von Blei.
Die Bleibestimmung nach Schwarz mittelst Fällung durch chrom-saures Kali und Bestimmung der Chromsäure durch Eisen und Chamäleonist im ersten Theile S. 199 nach den Angaben von Schwarz mitgetheiltworden, ohne dass specielle Versuche von meiner Seite darüber gemachtwurden. Sie gründet sich auf die Anahme, dass das gefällte chromsaureBleioxyd die neutrale Verbindung sei von 1 Atom Chromsäure und 1 AtomBleioxyd. Diese Annahme ist von Schwarz (Annal. d. Chem.u.Pharm.,Bd. 84, S. 93) durch eine Menge günstiger Resultate belegt worden.Wenn dem so ist, so müssen gleiche Volumina von Zehntlösungen sichvollkommen zersetzen.
Das Atom des neutralen chromsauren Kalis nach den angenommenenAtomgewichten der einfachen Stoffe wiegt 97,89. Es kommen also zuZehntlösung 9,789 Grm. einfach-chromsaures Kali auf 1 Litre. Einesolche Lösung wurde aus reinem Salze dargestellt. Sie möge hier neu-trale Chromlösung heissen.
Das Atom des salpetersauren Bleioxyds wiegt 165,57. Auf 1 Litrekommen also 16,557 Grm. salpetersaures Bleioxyd, um Zehent-Bleilösungdarzustellen. Beide Flüssigkeiten wurden in sehr genaue Büretten ein-gefüllt.
Lässt man Chromlösung zu der Bleilösung fliessen, so entsteht an-fänglich ein sehr hellgefärbter Niederschlag, der durch Erwärmen undUmschütteln sich ballt, und dann die Farbe trockner Orangeschalen an-nimmt. So lange man noch Fällung deutlich bemerkt, lässt man Chrom-lösung zufliessen; wenn sie anfängt undeutlich zu werden, erwärmt man,schüttelt um und lässt etwas absetzen. Man kann nun sehr deutlichdie Entstehung von fernerer Trübung wahrnehmen. Der Niederschlag ver-hält sich ähnlich wie Chlorsilber. Durch blosses Umschütteln reissen diebereits gebildeten Flocken die neue Trübung nieder und machen dieFlüssigkeit wieder klar. Man kann mit ziemlich grosser Schärfe dasEnde der Fällung wahrnehmen. Es kommt noch hinzu, dass daschvomsaure Kali sehr intensiv gelb färbt, und dass man an der Farbeder klaren überstehenden Flüssigkeit erkennen kann, ob Chromlösungim Ueberschuss vorhanden ist.