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Lehrbuch der chemisch-analytischen Titrirmethode : nach eigenen Versuchen und systematisch dargestellt / von Dr. Friedrich Mohr
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lOfi Fiinlter Abschnitt. Zusammenstellung u. Vergleichung der Parallel-Methoden.

Blei.

Zur Bestimmnng des Bleies haben wir 4 Methoden kennen gelernt:

1) Fällung mit kleesaurem Alkali und Bestimmung der mitgefälltenKleesäure durch Chamäleon (I. S. 197)

2) Fällung mit chromsaurem Kali und Bestimmung der mitgefälltenChromsäure durch Eisendoppelsalz und Chamäleon (I, S. 199).

3) Fällung als Bleihyperoxyd und Bestimmung des überschüssigen Sauer-stoffs durch irgend eine der Oxydationsanalysen (I, S. 282).

4) Fällung mit schwefelsaurem Kali (II, S. 79).

Bei Vergleichung dieser Analysirmethoden finden wir die vierte derangeführten Methoden als nicht sehr zuverlässig bezeichnet, weil sie mit-telst eines Tüpfelverfahrens beendigt wird und freie Säure sehr schädlicheinwirkt. Die dritte dieser Methoden leidet an grosser Umständlichkeit,indem die Verwandlung des Bleies in Hyperoxyd nur in einer alkalischenLösung vollständig stattfindet, man also das Blei schon zu diesem Zweckevon allen begleitenden Metallen muss getrennt haben. Diese Operationist auch ganz zusätzlich, indem erst nach Auswaschung des Hyperoxydes,welches nicht gut vom Filter getrennt werden kann, die eigentliche Maass-analyse beginnt.

Wir hätten demnach nur die erste und zweite in nähere Erwägungzu ziehen. Von diesen Methoden ist die erste in der ersten Abtheilung,S. 197 und 198 genauer besprochen und die Mehrzahl der Versuche hatein kleines Deficit von Blei ergeben. Der Grund dieses Verlustes liegtin der Löslichkeit des kleesauren Bleioxyds. Fresenius führt unterNr. 44 seiner analytischen Belege eine schwache Löslichkeit des kleesaurenBleioxyds an. Wenn man neutrales salpetersaures Bleioxyd mit einemkleinen Ueberschuss von neutralem kleesauren Ammoniak fällt, warm stelltbis zum Absetzen, so giebt die abgegossene Flüssigkeit mit Schwefelwasser-stoffwasser eine stark bräunliche Färbung. Dasselbe geschieht, wenn klee-saures Natron zum Fällen genommen wurde. Nimmt man einen grossenUeberschuss von kleesaurem Ammoniak, so ist die Trübung durch Schwe-felwasserstoff noch stärker. Diese Löslichkeit ergiebt sich auch daraus,dass kleesaures Bleioxyd durch kohlensaures Natron mit Leichtigkeit zer-setzt wird. Lässt man das Salpetersäure Bleioxyd in die kleesaure Am-moniaklösung fällen, so lösen sich die gebildeten Flocken von kleesauremBleioxyd ziemlich lange auf, bis endlich der Niederschlag bleibend wird.Dies zeigt eine Neigung zu Doppelsalzbildung an. Man kann deshalbdie umgekehrte Fällung schon aus diesem Grunde nicht vornehmen.Denn da man die Menge des Bleioxydes, welches bestimmt werden soll,nicht kennt, so wird man auch die Menge des anzuwendenden kleesaurenAmmoniaks nicht kennen, und also muthmasslich einen zu grossen Ueber-schuss verwenden, welcher lösend auf den Niederschlag wirkt. Fälltman aber mit kleesaurem Alkali, welches zur Bleilösung gesetzt wird, die