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Lehrbuch der chemisch-analytischen Titrirmethode : nach eigenen Versuchen und systematisch dargestellt / von Dr. Friedrich Mohr
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130 Fünfter Abschnitt. Zusammenstellung u. Vergleichung der Parallel-Methoden.

Man ersieht aus diesen Zahlen, dass es unmöglich ist, Zinn auchnur annähernd mit Oxydationsmitteln zu bestimmen, wenn man nicht ganzgenau dieselbe Verdünnung mit demselben Wasser und dieselbe Zeit derOperation, wie bei der Titrestellung, anwendet. Wir finden die stärksteWirkung des Zinnchloriirs ohne Verdünnung, die schwächste bei Verdün-nung mit 1500 CC. Wasser, dann wieder zunehmende Mengen Chamäleonbei steigender Verdünnung. Es ist sehr schwer, diese Thatsachen inEinklang zu bringen. Der von Wasser absorbirte Sauerstoff scheint dem-nach die Ursache der anomalen Wirkung zu sein. Bei gewissen Con-centrationen bindet das Zinnchlorid den freien Sauerstoff des Wassers fastaugenblicklich und längeres Warten giebt kaum ein anderes Resultat.Bei starken Verdünnungen scheint der Sauerstoff nicht ganz an das Zinnzu treten, und trotz der grösseren Menge zeigt sich weniger Zinn voll-kommen oxydirt. In diesem Falle vermehrt auch längeres Warten dieWirkung.

Die Zinnbestimmung in jeder der jetzigen Formen bietet keinegrosse Sicherheit dar, und ist auch in der Gewichtsanalyse keine beson-ders starke Seite.

Schweflige Säure.

Die Bestimmung der schwefligen Säure mit Chromlösung (I, S. 272)ist als ganz unzuverlässig gefunden worden. Dasselbe gilt für Chamäleon.Dagegen kann die schweflige Säure bei starker Verdünnung mit luft-freiem Wasser sehr gut durch Jodlösung (I, S. 298) bestimmt werden.

Quecksilber.

Für Quecksilber ist bis jetzt noch keine befriedigende, für alle seineVerbindungen brauchbare Bestimmungsmethode gefunden.

Das Quecksilberoxydul kann aus löslichen Salzen mit Kochsalz be-stimmt werden, indem man es mit einem Ueberschusse von Zehent-Kochsalzlösung fallt und nach dem Filtriren diesen Ueberschuss mitSilberlösung und chromsaurem Kali bestimmt (II, S. 62).

Die Bestimmung des Quecksilberchlorids mit Zinnchlorür unddie Bestimmung des Ueberschusses an Zinnchlorür giebt keine richtigeResultate, da diese Analyse mit allen Fehlern der Zinnanalyse und nocheignen behaftet ist (I, S. 273).

Die Methode, das Quecksilberoxyd, wenn es nicht als Chlorid vorhandenist, durch phosphorsaures Natron und Kochsalzlösung zu bestimmen, giebtnur mässig genaue Resultate. Es dürfen jedoch keine Spuren andererschwerer Metalle vorhanden sein (II, S. 65).

Die Fällung mit Kaliumeisencyanid und Bettipfelung mit Eisenoxy-dulsalzen giebt ebenfalls wenig genaue Resultate (II, S. 68).