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Lehrbuch der chemisch-analytischen Titrirmethode : nach eigenen Versuchen und systematisch dargestellt / von Dr. Friedrich Mohr
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Erstes Kapitel. Holzasche.

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Erstes Kapitel.

Holzasche.

Der Pdttaschensieder fragt: -wie viel Pottasche bekomme ich her-aus ? Der Chemiker fragt: wie viel ist darin ? Beide Fragen werden inverschiedener Weise beantwortet.

Zur Ermittelung des muthmaasslichen Productes an Pottascheaus einer gegebenen Holzasche wird eine nicht zu kleine MengeHolzasche, 10 bis 20 Grm., kochend heiss ausgezogen, bis das abfliessendeWasser nicht mehr alkalisch reagirt. Ein Eindampfungsversuch in einergewogenen Porcellan- oder Platinschale und Erhitzen bis zum Glühengiebt das ganze Gewicht der unreinen Pottasche. Man löst wieder inWasser auf, setzt Lakmustinctur hinzu und bestimmt das kohlensaureKali mit einer Normalsäure in bekannter Art. Da der Auszug der rohenHolzasche häufig sehr stark gefärbt ist, so ist das vorgenommene Er-hitzen bis zum Glühen auch hierfür dienlich gewesen, indem dadurchdie Farbestoffe zerstört werden. Eine braun gefärbte Lösung von koh-lensaurem Kali kann man nur mittelst Betupfens von Lakmuspapier aus-titriren.

Die eigentliche Analyse der Holzasche ist eine sehr complicirte undschwierige Arbeit; es lassen sich jedoch eine Menge von Stoffen darausmit grosser Schärfe maassanalytisch bestimmen. Zunächst ist zu bemer-ken, dass sich kohlensaures Kali und kohlensaurer Kalk durch Auszie-hen mit Wasser nicht trennen lassen. Ein Theil Kalk geht mit in Lö-sung, und ein Theil Kali bleibt bei dem Kalke als unlösliches Doppel-salz zurück. Es ist deshalb zu einer wirklichen Analyse durch die Be-handlung mit Wasser nicht viel gewonnen.

Die Bestimmung des ganzen Gehaltes an kohlensaurem Kali undkohlensaurem Kalke kann in folgender Art geschehen. Man wäge einebestimmte Menge Asche, etwa 5 Grm. ab, bringe sie in eine Kochflascheund lasse Normalsalpetersäure hinzu bis diese entschieden im Ueber-schusse ist. Man koche bis zum vollständigen Austreiben der Kohlen-säure und filtrire. Das Auswaschen mit heissem Wasser wird bis zumAufhören der Keaction auf blaues Lakmuspapier fortgesetzt. Im Filtratbestimmt man den Ueberschuss der Normalsalpetersäure durch Normal-kali. Man erhält so die ganze Alkalität der Holzasche.

Aus der eben neutralisirten Flüssigkeit fälle man den Kalk durchkohlensaures Natron unter Kochen, filtrire, wasche aus, und bestimme denkohlensauren Kalk durch Normalsalpetersäure und Kali in bekannterWeise. Indem man die CC. Säure für den kohlensauren Kalk von jenen