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Lehrbuch der chemisch-analytischen Titrirmethode : nach eigenen Versuchen und systematisch dargestellt / von Dr. Friedrich Mohr
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14G Sechster Abschnitt. Angewandter Theil.

einem Ueberschusse von Chlorbaryum und filtrirt. Das Filtrat alkali-metrisch mit Normalsäure gemessen giebt den Gehalt an Aetznatron,welches als Natronhydrat nach Nr. 8 der Tafeln berechnet wird. DerNiederschlag von kohlensaurem Baryt entspricht dem kohlensauren Na-tron und kann auch mit Normalsalpetersäure bestimmt werden. Gewöhn-lich aber bestimmt man den ganzen Alkaligehalt in einer Operation unddann das Aetznatron nach der eben beschriebenen Methode. Man ziehtdie Cubikcentimeter Normalsäure für das Aetznatron von den Cubikcen-timetern der ganzen Alkalität ab, ehe man auf kohlensaures Natron be-rechnet.

In den Sodafabriken wird jetzt auch viele kaustische Soda darge-stellt. Sie bietet dem Seifensieder den Vortheil, dass er durch eine blosseLösung ohne Kalk sich eine Seifensiederlauge bereiten kann. Sie wirdin gleicher Weise, wie eben beschrieben wurde, analysirt. Man zersetztin warmer verdünnter Lösung mit Chlorbaryum, filtrirt, oder lässt warmabsetzen, und titrirt gebrochene Mengen der Flüssigkeit mit Normal-schwefelsäure. Die klare Flüssigkeit giebt den Gehalt an ätzendem Na-tron. Man berechnet nach Nr. 8 der Tabellen.

Eine gleich grosse Menge kaustischer Soda ohne Chlorbaryumzusatzmit Normalschwefelsäure gemessen, giebt den ganzen Gehalt an reinemund kohlensaurem Natron. Zieht man die dem Natronhydrat entspre-chenden Cubikcentimeter Normalsäure vom Ganzen ab, so bleibt die demkohlensauren Natron entsprechende Menge übrig. Da die Seifensiederden Preis ihrer Alkalien auf den Preis der Soda beziehen, so wird dasNatronhydrat auch häufig nach Nr. 9 der Tabellen auf kohlensaures Na-tron berechnet. Da nun 40 Natronhydrat gleichwerthig mit 53 kohlen-saurem Natron ist, so würde ein reines Hydrat oder 100 Hydrat gleich132,5 kohlensaurem Natron sein und es könnte leicht Vorkommen, dasseine kaustische Soda mehr wie 100 Proc. kohlensaures Natron vorstellte,was, so sonderbar es auch klingt, doch begreiflich ist. Gewöhnlich istdafür gesorgt, dass der Seifensieder sich darüber kein Kopfbrechen zumachen hat, wie ein Körper mehr als 100 Proc. Substanz enthaltenkönne. Soll die kaustische Soda auf Natronhydrat berechnet werden, sohat man 4 Grm. abzuwägen; soll sie dagegen auf koklensaures Natronberechnet werden, so müssen 5,3 Grm. abgewogen werden, wenn dieCubikcentimeter Normalsäure Procente vorstelien sollen.

Es sind nur noch zwei Beimischungen der Soda zu besprechen,deren Bestimmung mehr den Fabrikanten interessirt, damit er aus denveränderten Verfahrungsarten auf die Wirksamkeit seiner Methodeschliessen könne. Diese Substanzen sind Schwefelnatrium und unter-schwefligsaures Natron.

Die Gegenwart des Schwefelnatriums erkennt man an dem Geruchnach Schwefelwasserstoff bei Uebersättigung mit Schwefel- oder Salz-säure, auch durch Betupfen eines mit frischer Lösung von Nitroprussid-natrium getränkten Papieres. Dieses Salz giebt mit alkalischen Schwefel-