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Lehrbuch der chemisch-analytischen Titrirmethode : nach eigenen Versuchen und systematisch dargestellt / von Dr. Friedrich Mohr
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Fünftes Kapitel. Rohe Soda oder Schmelze.

enthalten und jeder Cubikcentimeter Normalsäure ist gleich 1 Proc. rei-nen kohlensauren Natrons.

Zieht man aber nur 250 CC. Lösung heraus, so ist darin der Gehaltvon 2,65 Grm. Schmelze und jeder Cubikcentimeter Normalsäure stellt2 Proc. kohlensaures Natron vor. Dieselben Bedingungen kann manauch durch andere Mengen Pulver und andere Maassflaschen erreichen,ohne dass sich das Resultat ändert.

In einer gut geführten Sodafabrik sollen die Normalflüssigkeitenvon dem Principal oder dem Chemiker des Etablissements selbst ange-fertigt und beim Gebrauche ganz dem Zutritt der gewöhnlichen Arbeiterentzogen sein. Die Normalschwefelsäure kann in grossen Ballons oder incylindrischen Flaschen aufbewahrt werden, und direct durch einen Heber indie Ab - und Zuflussbürette gelangen. Die Bürette selbst ist oben durcheine in Kork sitzende dünne Glasröhre geschlossen, die mit einer Kaut-schukröhre mit dem Lufträume des Ballons im Zusammenhänge steht.Der Ballon ist am besten in einem verschlossenen Schranke enthalten,wodurch er zugleich den Einwirkungen der Menschen und der Wärmeentzogen ist. Die Röhren gehen durch passende Oeffnungen in dem Bodenoder den Seiten des Schrankes. Die obere Mündung der Bürette ist ineiner Weise mit dem Kautschukrohre verbunden, dass sie ohne sichtbareVerletzung nicht geöffnet werden kann.

In dieser Art kann sich der Chef des Geschäftes die Sicherheit ver-schaffen , dass bis zu seinem freiwilligen Zutreten in der Mischung derMaassflüssigkeiten nichts geändert werden kann. In jedem Falle ist dieseUeberzeugung sehr angenehm , und wer davon freiwillig absieht, musssich die Folgen selbst beimessen.

Analyse der Sodarohlauge aus dem Klärselkessel vom 6. August 1858der Fabrik Rhenania bei Aachen.

Die Rohlauge war mir von Hrn. Director Dr. Hasenclever über-sandt worden.

1) Specifisches Gewicht bei 14° R. 1,252.

2) 10 CC. Rohlauge in einer Platinschale eingedampft und bis zumschwachen Glühen erhitzt, hinterliessen 3,11 Grm. 1 Litre enthältalso 311 Grm. festen Rückstand.

3) Der eingedampfte Rückstand von 2) mit Normal-Salpetersäure ge-messen erforderte 56,2 CC. In dieser Menge ist das Schwefel-natrium mit einbegriffen.

4) 10 CC. Rohlauge mit Essigsäure neutralisirt und mit Zehent-Jodlö-sung gemessen, erforderten davon 6,82 CC.

5) 10 CC. Rohlauge mit schwefelsaurem Zinkoxyd gefällt, das Filtratmit Stärke und Zehent-Jodlösung gemessen, erforderten 2,44 CC.davon.