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Lehrbuch der chemisch-analytischen Titrirmethode : nach eigenen Versuchen und systematisch dargestellt / von Dr. Friedrich Mohr
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1G2 Sechster Abschnitt. Angewandter Theil.

Zimmer, so kann man die Luft von aussen durch eine lange Kautschuk-röhre in das Zimmer leiten und so ohne alle Störung den Versuch zuEnde führen. Das ausfliessende Wasser wird durch eine 5 Litreflascheanfgefangen und dadurch sehr genau gemessen, weil diese die Marke alseinen Kreisstrich am engen Theile des Halses tragen. Wenn die Litre-fias'che beinahe voll ist, kann man das Wasser gerade bis an die Markeanlaufen lassen. In jedem Falle kann ein geringerer Theil des Wassersin der Flasche durch kleinere Messflaschen ausgemessen werden. An denGasometer bringt man ein kleines Quecksilbermanometer an, welches deninneren negativen Druck gegen den atmosphärischen Druck anzeigt.

Ein solches Manometer (Fig. 14) besteht aus einer zweischenke-ligen Glasröhre, deren eines Ende mit dem Inneren des Gasometers, dasäussere mit der Luft in Verbindung steht. Man misst denUnterschied der beiden Niveaus in Millimetern aus, undcorrigirt damit das Volum des ausgeflossenen Wassers aufden normalen Barometerstand von 760". Ausser derTemperatur wäre noch eine Correction auf Feuchtigkeit zumachen. Die atmosphärische Luft ist nicht mit Wasser ge-sättigt; sie wird es aber, indem sie in den Apparat tritt, wo-bei sie sich ausdehnt. Würde man die atmosphärische Luftals ganz trocken annehmen, so würde man zu stark corri-giren. Bis jetzt ist diese Correction noch nicht angebrachtworden, weil sie eben sehr schwierig ist. Man könnte dieLuft durch eine vorgelegte Chlorcalciumröhre ganz aus-trocken und dann die vollständige Feuchtigkeitscorrection anbringen.

Die Absorptionsflüssigkeit bereitet man sich in der Art, dass manin ein dünnes Aetzkali Barytkrystalle *) bringt, durch Erwärmen löst,und nun sogleich filtrirt. Da das Aetzkali immer etwas kohlensauresKali enthält, so entsteht ein Niederschlag von kohlensaurem Baryt, wel-cher den Vortheil hat, die Flüssigkeiten mit diesem Körper zu sättigen,so dass jede neu gebildete Menge kohlensauren Baryts sich ausscheiden muss.

Nachdem man den Aspirator oder Gasometer mit Wasser, die Köh-ren und Flaschen mit der Absorptionsflüssigkeit gefüllt hat, versucht man

*) Die Krystalle des Barythydrats bereitet man sich am leichtesten dadurch, dassman aus möglichst reinem kohlensaurem Natron sich Aetznatron verschafft, und diesohne weitere Concentration mit Glashebern in Flaschen ahzieht. Von diesem Aetz-natron kann man den alkalimetrischen Werth durch Titriren ermitteln und mm dasAequivalent krystallisirtes Chlorbaryum dafür berechnen. Man bringt eine belie-bige Menge dieses Actznatrons in einem gusseisernen Grapen zum Kochen, setztdann die berechnete Menge Chlorbaryum zu und kocht auf. Man entfernt das Ge-fäss vom Feuer und lässt bedeckt absetzen, ohne vollständig abkühlen zu lassen.Sobald die Flüssigkeit klar genug ist, zieht man sie vorsichtig mit reinen Glashebernin weithalsige Flaschen ab. Nach vollständigem Abkühlen setzt die Flüssigkeiteine verhältnissmässig grosse Menge Aetzbaryt ab, welche man auf Trichtern sam-melt, etwas abspritzt und dann, wenn eine solche vorhanden ist, auf der Centrifugol-maschine trocken schwingt.

Fig. 14.

KJ

Manometer.