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Lehrbuch der chemisch-analytischen Titrirmethode : nach eigenen Versuchen und systematisch dargestellt / von Dr. Friedrich Mohr
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Sechster Abschnitt. Angewandter Theil.

Bestimmung der Kohlensäure und kohlensaurer Salze ausdem Gasvolum.

Die Bestimmung des aus einer gegebenen kohlensauren Verbindungdurch Säuren entwickelten Gases ist mit Anwendung des näher zu be-schreibenden Apparates eine so ungemein leichte Operation, dass es nahelag, dieselbe zu einer maassanalytischen zu gestalten, uin daraus prak-tischen Nutzen zu ziehen. Hat man die in einem Körper enthalteneKohlensäure entwickelt, so erhält man dieselbe mit Wasserdampf gesät-tigt unter einem bestimmten Drucke und von einer bestimmten Tempera-tur. Der Physiker bringt an dem gemessenen Volum die Correctionender Feuchtigkeit, des Barometerstandes und der Temperatur an, um dasVolum der Kohlensäure im trockenen Zustande bei 760""" Druck undbei 0°C. zu erhalten. Wir suchen uns von diesen Correctionen, welchezehnmal soviel Zeit als die Operation der Entwickelung und Messunghinwegnehmen, dadurch frei zu machen, dass wir gleich vorher odernachher eine bestimmte Menge einer reinen kohlensauren Verbindung indemselben Apparate und unter genau denselben Umständen zersetzen,und das daraus entwickelte kohlensaure Gas messen. Wollen wir denGehalt eines Körpers an Kohlensäure bestimmen, so nehmen wir zumGegenversuch und als Titresubstanz eine solche Menge reines kohlen-saures Natron oder kohlensauren Kalk oder kohlensauren Baryt, welchegenau 1 Grm. Kohlensäure enthalten. Wollen wir aus der Kohlensäuresogleich die kohlensaure Verbindung berechnen, so wägen wir von derreinen kohlensauren Verbindung 1 Grm. ab, und messen die daraus ent-springende Kohlensäure.

Wir haben nun zunächst den Zersetzungs- und Messapparat genauerzu betrachten. Eine Wo ul f 'sehe Flasche von 2 bis 3 Litre Inhalt,welche nahe an dem Boden einen Tubulus hat, ist in einem ihrer Hälsemit einem Eingusstrichter versehen, dessen gläserne Röhre bis nahe anden Boden der Flasche führt. Der zweite seitliche Hals ist mit einer imrechten Winkel gebogpnen Glasröhre versehen, welche das Gas zuleitensoll. In dem am Boden befindlichen Tubulus geht eine Glasröhre mitharter Reibung durch einen Kork. Diese Glasröhre hat die Länge derFlasche bis an den Kork, und ist mit zwei kleinen im rechten Winkelnach entgegengesetzten Seiten umgebogenen Enden versehen. Die Glas-röhre lässt sich im Korke drehen, aber nicht der Kork in dem Tubulus,was man dadurch leicht erreicht, dass man die Oeffnung im Korkeso weit macht, dass der Kork fester in dem Tubulus, als dieGlasröhre im Korke sitzt. Das Entwickelungsgefäss ist eine gewöhn-liche, etwas weithalsige Kochflasche, deren Hals mit einem sehr gu-ten Korke versehen ist. In diesem Korke sind drei Bohrungen. Durchdie eine entweicht das entwickelte Gas in die Woul fsehe Flasche, durchdie zweite geht die mit Salzsäure angefüllte und oben durch einenQuetschhahn verschlossene Röhre, und die dritte dünne Glasröhre hatden Zweck, soviel Luft aus dem Apparate in die Salzsäureröhre zu las-