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Lehrbuch der chemisch-analytischen Titrirmethode : nach eigenen Versuchen und systematisch dargestellt / von Dr. Friedrich Mohr
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Sechster Abschnitt. Angewandter Theil.

ist, noch einmal 50 CC. hinzu. Das Verdampfen des Wassers muss ohneKochen und Spritzen geschehen. Am sichersten nimmt man gleich imAnfang ein Wasserbad, indem man die Platinsehale auf den Rand einespassenden Gefässes setzt. Auch kann man eine entfernte kleine Wein-geist- oder Gasflamme, ein Nürnberger Nachtlicht oder einen warmenTrockenraum dazu benutzen. Wenn die Masse trocken geworden ist,lässt man sie noch eine Zeit lang an demselben Orte stehen und erhitztsie dann über einer Weingeistflamme etwas stärker, jedoch nicht zumGlühen. Wenn die Salzmasse noch feucht ist, entsteht leicht Verlustdurch Spritzen.

Die heisse Schale setzt man unter die Chlorcalciumglocke, lässt sieabkiihlen und wägt sie dann mit dem Inhalt genau aus. Durch Abzugder Schale erhält man den Inhalt in Grammen. Man macht gern dieseOperation noch einmal, um aus der Uebereinstimmung der Zahlen einenAnhaltepunkt für die Zuverlässigkeit derselben zu erhalten.

Nach diesem Verfahren kann man aus 100 CC. Wasser die Summeder festen Bestandtheile mit grösserer Schärfe bestimmen, als man sonstbei viel grösseren Mengen Wasser im Stande war; denn erstlich kannman die schärfste analytische Wage an wenden und hat gar keine Ver-luste zu befürchten. Es ist ganz unmöglich, die in einer grösseren Por-zellanschale eingeengten Stoffe in eine kleinere Schale ohne Verluste zuübertragen, da die kohlensauren Erden fest anhaften und durch ihreweisse Farbe nicht wahrgenommen werden, und ebenso unmöglich ist es,in einer Porzellanschale, deren Gewicht das des Inhaltes viele hundertMal übersteigt, die Gewichtsbestimmung selbst vorzunehmen.

2) Den Inhalt der Platinschale von den 100 CC. Wasser benutzt manzur Bestimmung des kohlensauren Natrons. Man löst in destillirtem Wasserauf, bringt auf ein kleines Filtrum, und sttsst das Filtrum mit destillirtemWasser vollkommen aus. Das Filtrat fängt man in einer kleinen Por-zellanschale auf, setzt reine Salzsäure bis zum Vorwalten hinzu, unddampft zur Trockenheit ab. Man erhitzt die trockene Salzmasse vor-sichtig, ohne dass sie verknistert, über einer etwas entfernten Flamme.Man löst in destillirtem Wasser auf und prüft mit blauem Lakmuspapier,dass nicht die leiseste Spur freier Säure vorhanden ist. Man setzt nuneinige Tropfen neutrales chromsaures Kali hinzu und titrirt den Chlor-gehalt mit Zehent-Silberlösung (Bd. II, S. 15). Er entspricht dem kohlen-sauren Natron und Kochsalz zusammen.

3) Man pipettirt 100 CC. Wasser ab, setzt chromsaures Kali hinzuund misst den Chlorgehalt mit Zehent-Silberlösnng. Die verbrauchteMenge entspricht dem Kochsalzgehalte des Wassers. Zieht man die hiererhaltenen CC. Silberlösung von jenen in Nro. 2 erhaltenen ab, sobleiben die dem kohlensauren Natron entsprechenden Mengen übrig.

1 CC. Zehent-Silberlösung = 0,005846 Grm. Kochsalz. (Nr. 117 der Tab.)1 = 0,0053 kohlensaures Natron.