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Lehrbuch der chemisch-analytischen Titrirmethode : nach eigenen Versuchen und systematisch dargestellt / von Dr. Friedrich Mohr
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Neunzehntes Kapitel. Ackererde.

Um hier eine Durchschnittsprobe des ganzen Ackers zu erhalten,verfahre man in der folgenden Art.

Man vereinigt zunächst die Probeziehung mit der Bestimmung derDichtigkeit und des mittleren Feuchtigkeitsgrades des Bodens. Denganzen Acker begehend, steche man mit einem Spaten alle drei oder vierSchritte eine gleiche Menge Erde in ein Hohlmaass, etwa einen Scheffeloder Cubikfuss, bis man endlich das Gefäss etwas überfüllt hat. Manstampfe nicht ein, sondern streife mit einem Lineal ab und wäge das Ge-fäss mit der Erde. Da man das Gewicht des Gelasses ein- für allemalkennt, und auf dem Gefässe notirt hat, so weiss man sogleich auch dasGewicht der Erde, welches als Vergleichungspunkt für die Dichtigkeitder Erde gilt. Dabei ist natürlich von der Zeit des letzten Regens, derJahreszeit des Versuches und der Natur des letztverflossenen WettersMeldung zu thun. Man trocknet nun die Erde, auf reinen Tischen aus-gebreitet, an freier Luft und wägt sie wieder, wobei man die Temperaturder Luft bemerkt. Der beobachtete Verlust an Feuchtigkeit wird inProeenten der Erde berechnet und ausgedrückt. Diese ganze Be-stimmung macht auf keine grosse Genauigkeit Ansprüche, da der je-weilige Feuchtigkeitszustand des Bodens von der Beschaffenheit der Luftabhängig ist, auch nach der Tiefe zunehmend ist. Die Verminderung desVolums, welche durch das Trocknen stattgefunden hat, anzugeben, istüberflüssig, und auch schwer zu bestimmen. Hierauf wird die ganze Quan-tität mit den Händen zerbröckelt oder mit einer hölzernen Keule zerriebenund durch ein Sieb mit Maschen von der Grösse einer Erbse gegeben.Die gesiebte Erde wird gewogen und der Rückstand ebenfalls. Von dergesiebten Erde werden 2 Pfund, und von dem Rückstand etwa 1 Pfund,in trocknen gläsernen Flaschen verpackt, eingesendet und die Details vonden früheren Wägungen beigelegt. Aus den Analysen kann man nunrückwärts auf den Gehalt an den gefundenen Stoffen in einem bestimmtenVolum und Gewicht der Ackererde schliessen. Die in den Flaschen ent-haltene lufttroekne Erdprobe ist nun noch nicht trocken genug, um der Ana-lyse unterworfen zu werden, weil eben auch diese Feuchtigkeit eine wandel-bare ist. Man wäge deshalb eine bestimmte Menge der Erde in einerPorzellan- oder Metallschale mit Deckel ab, trockne sie im Wasserbadevollends aus und bestimme den nun noch erfolgenden Gewichtsverlust inProeenten der gewogenen lufttrocknen Erde. Man erfährt dadurch dieMenge der bei 100° C. getrockneten Erde, welche in einem Cubikfuss oderScheffel Erde enthalten ist.

Man nehme nun eine beliebige Menge der Erde, etwa 1 Pfund, ineine Metallpfanne, setze diese in ein Wasserbad und trockne die Erdeunter diesen Umständen vollständig aus, indem man sie zugleich nochfeiner zerreibt. Die getrocknete Erde bringe man in eine trockne Flascheund verstopfe diese sogleich mit einem dichten Korke, oder mit einem sol-chen, welcher ein Chlorcalciumrohr trägt. Aus dieser Flasche werdendie verschiedenen Mengen der Erde zu den verschiedenen Bestimmungen

Mohr's Titrirbuch. II. Abthlg. 13