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Lehrbuch der chemisch-analytischen Titrirmethode : nach eigenen Versuchen und systematisch dargestellt / von Dr. Friedrich Mohr
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198 Sechster Abschnitt. Angewandter Theil.

so leicht und vollständig oxydirbar, wie die erstgenannte Humussäure.Man pflegte diese beiden Stoft'e quantitativ durch ihr Verhalten zu koh-lensauren und reinen Alkalien zu trennen. Erst kochte man die Erdemit kohlensaurem Natron, filtrirte und fällte durch A r ersetzen mit Salz-säure bis zur schwach sauren Reaction; denn kochte man den Rost mitätzendem Alkali, filtrirte wieder und fällte in gleicher Weise mit Salz-säure. Die in beiden Fällen erzeugten Niederschläge sammelte man aufgewogenen Filtern, wusch aus, und bestimmte das Uebergcwicht derFiltra. Diese Bestimmungen leiden an sehr grossen Unrichtigkeiten. Zu-erst sind die angesänerten Flüssigkeiten, aus denen die Humussäure unddie Humuskohle gefällt wurden, niemals farblos, sondern immer gelb ge-färbt, woraus man schon durch den Anblick wahrnimmt, dass man einenTheil des Stoffes ungewogen wegschüttet.

Es enthalten ferner die Niederschläge selbst unorganische Stoffe, dieman erst durch Einäscherung bestimmen kann, da es ungereimt wäre, siein einem vorzugsweise als organische Substanz charakterisirten Körperohne Weiteres mitzuwägen. Da aber alle diese Stoffe damit endigen,zuletzt freiwillig in Kohlensäure überzugehen, so schien es am zweck-massigsten, dieselben sogleich in Kohlensäure zu verwandeln und als sol-che zu bestimmen. Es liegt eine ungemein hohe Zweckmässigkeit indem Umstande, dass die Verbindung des Kohlenstoffs mit Sauerstoff gas-förmig ist. Denken wir uns, dass ein Baum in den Urwäldern von Bra-silien oder Chiloe umstürtzt und abstirbt, so würde die zu seinem Körperverwendete Substanz aus dem Capital der Natur Ausscheiden, wenn seineVerwesungsproducte nicht flüchtig wären. Nach 25 Jahren liegt an je-nem Platze ein kleiner Haufen Erde, die unorganischen Bestandteile desBaumes, die organischen sind durch Vergasung als Kohlensäure undAmmoniak in die grosse Vorrathskammer der Natur, die Atmosphäre,zurückgetreten. Aus diesem Grunde ist es vollkommen gerechtfertigt,die organischen Bestandteile des Bodens als unorganische Endproductezu bestimmen, da die Pflanze nur unorganische Stoffe aufnimmt. Manhat den in der Erde enthaltenen Kohlenstoff durch eine Verbrennungs-analyse mit Kupferoxyd oder chlorsaurem Kali bestimmt, und scharfeResultate erhalten. Wir verfahren auf einem etwas verschiedenen Wege.Da die meiste Ackererde kohlensaure Erden enthält, so müssen wir we-nigstens diese Kohlensäure, die bereits als anorganisch vorhanden ist,eliminiren oder ihrer Rechnung tragen.

Wenn man 10 Grm. trockne Erde mit 2 bis 3 Grm. doppelt chrom-saurem Kali innig mengt, das Gemenge in eine gewöhnliche Probir-röhre bringt und diese Probirröhre mit einer Absorptionsröhre (Fig. 24)verbindet, so kann man durch stellenweises Erhitzen mit einer einfachenWeingeistflamme die ganze Menge der organischen Substanz in Kohlen-säure überführen, ohne dass sich organische pyrogene Substanzen bilden.Damit die Absorptionsfliissigkeit nicht zurücksteigen und man auchnach geschehener Verbrennung die in der Verbrennungsröhre enthaltene