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Lehrbuch der chemisch-analytischen Titrirmethode : nach eigenen Versuchen und systematisch dargestellt / von Dr. Friedrich Mohr
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Sechster Abschnitt. Angewandter Theil.

Zwanzigstes Kapitel.

Guano.

Zur Beurtheilung des Düngwerthes des Guanos genügt die Bestim-mung der wesentlichsten Bestandteile desselben, des Stickstoffs, derphosphorsauren Salze und des Kalis.

Zunächst hat man eine richtige Probe zu ziehen. Enthält der GuanoSteine, Holzspäne und dergl., so scheidet man dieselben aus einer grös-seren Menge durch ein etwas grobes Sieb und bestimmt die Steine demGewichte nach. Ans der durchgesiebten Masse, nachdem sie richtig ge-mengt ist, nimmt man eine grössere Probe, die man feiner pulvert, undaus diesem Pulver die zu untersuchenden Mengen. Die Feuchtigkeit be-stimmt man, indem man eine gewogene Menge (2 bis 4 Grm.) in einemflachen Porzellanschälchen ausgebreitet über Chlorcalcium stehen lässtoder im Wasserbade anstrocknet.

Den Gehalt an feuerbeständigen Substanzen ermittelt man durcheine Glühung im offenen Platintiegel nnd Wägung des Bestes. GuterGuano enthält bis zu 35 Proc. feuerbeständige Stoffe. Aus diesem ge-glühten Reste bestimmt man auch die unorganischen Bestandtheile,nämlich Phosphorsäure, Kali, Kalk, Schwefelsäure, und was man sonstnoch darin sucht.

Beim Auflösen des Restes in Säuren darf kein starkes Brausen er-folgen, in welchem Falle der Guano mit Kalksteinpulver verfälscht wäre.Wäre dies der Fall, so könnte man den kohlensauren Kalk durchNormalsalpetersäure und Kali bestimmen. Ist das Aufbrausen nur ge-ring, so rührt es von der gewöhnlich vorhandenen kleinen Menge koh-lensauren Kalkes her, dessen Bestimmung kein Interesse hat. Die fastweisse Asche löst man in Salzsäure auf und filtrirt. Durch Ammoniakfällt sich ganz weisser phosphorsaurer Kalk, den man am sichersten durchFiltriren, Auswaschen und Glühen bestimmt. Man erhält sein Gewichtohne alle Berechnung. Bei den Unvollkommenheiten der bisherigenmaassanalytischen Bestimmungen der Phosphorsäure dürfte diese Me-thode hier als die sicherste zuerst genannt werden. Maassanalytisch löstman den geglühten Rückstand in erwärmter Salpetersäure, filtrirt, setztessigsaures Natron zu und fällt mit Eisenchlorid oder Eisenoxyd-Ammo-niak-Alaun zu einem kleinen Ueberschusse des Fällungsmittels. Manfiltrirt ab, wäscht aus und bestimmt die Phosphorsäure des in Säure ge-lösten Niederschlages durch Titriren des mit Zink reducirten Eisen-oxyds (I, S. 218).