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Lehrbuch der chemisch-analytischen Titrirmethode : nach eigenen Versuchen und systematisch dargestellt / von Dr. Friedrich Mohr
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Zwanzigstes Kapitel, (luano.

Der Stickstoffgehalt ist in zweierlei Form im Guano enthalten: 1) alsAmmoniaksalz, 2) als unzersetzte organische Substanz (Harnsäure). DasAmmoniak bestimmt man durch Destillation mit Aetzkali in dem in denNachträgen zum 1. Theil, S. 349 beschriebenen Apparate, indem maneine gemessene Menge Normalsalpetersäure vorlegt und den nicht gesät-tigten Rest mit Normalkali zurücktitrirt.

Schärfer bestimmt man das Ammoniak, wenn man es mit reiner Salz-säure auffängt, die im Ueberschusse vorhanden, aber nicht gemessen seinmuss , die Flüssigkeit zur Trockne abdampft und den gebildeten Salmiakdurch Titriren mit chromsaurem Kali und Zehent-Silberlösung bestimmt.

Den ganzen Stickstoffgehalt findet man, indem man den Guano mitNatronkalk in einer Röhre nach Varrentrapp und Will erhitzt, dasAmmoniak mit Salzsäure anffängt und, wie oben, mit Silber bestimmt.Durch Abziehen des aus dem vorigen Versuche bekannten Ammoniakserhält man den Stickstoff, der in organischen Verbindungen enthalten ist.Gewöhnlich bestimmt man nur das Ammoniak allein.

Die Schwefelsäure kann aus dem unveränderten Guano durch reineskohlensaures Natron ausgezogen werden. Aus der filtrirten Lösung kannman nach Uebersättigung mit Salzsäure die Schwefelsäure mit Chlor-baryum fällen und nach dem Gewichte bestimmen, oder man bestimmtsie maassanalytisch durch die im ersten Theile S. 90 beschriebene Rest-methode, indem phosphorsaure Salze in die Natronlösung nicht eingehenkönnen..

Der Kaligehalt kann durch Glühen des feuerbeständigen Rückstan-des mit Chlorbaryum, Auflösen in kohlensaurem Ammoniak, Abdampfenzur Trockne und Glühen in einer Platinschale, dann mit Chlorplatin alsChlorplatinkalium gefällt und dem Gewichte nach bestimmt werden.

Bei Untersuchung von menschlichen Excrementen und den darausfabrikmässig dargestellten Düngerpräparaten, welche unter dem NamenPudrette, Urat, Urinat etc. im Handel Vorkommen und welche sehr starkVerfälschungen ausgesetzt sind, kommt es immer auf eine Bestimmungder Phosphorsäure und des Ammoniaks an, wozu bereits genügende An-leitung gegeben ist. Wären die Dünger zu besonderen Zwecken,wie zum Weinbau, empfohlen, so muss jedenfalls eine Bestimmung desKalis hineingezogen werden.