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Lehrbuch der chemisch-analytischen Titrirmethode : nach eigenen Versuchen und systematisch dargestellt / von Dr. Friedrich Mohr
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Sechster Abschnitt. Angewandter Theil.

ganz gleichviel Eisensalz oxydiren können, indem in jeder Verbindungein Atom Sauerstoff mehr als Mangan enthalten ist, nur ist dies beimHyperoxyd mit 43,57 Theilen, bei dem Oxyd-Oxydul mit 114,71 Theilender Fall. Um aus dem verbrauchten Eisensalz die Zusammensetzungdes Oxydes berechnen zu können, muss man aus anderweitigen Erschei-nungen die Natur der Formel ermittelt haben, oder man muss zwei Ana-lysen machen. Es ist nämlich bekannt, dass alle höheren Manganoxydedurch heftiges Glühen in die Verbindung Oxyd-Oxydul, Mn 3 0 4 , über-gehen. Hat man ein Oxyd durch Glühen in diese Verbindung verwan-delt, so kann man durch dessen Analyse mit Eisendoppelsalz den Man-gangehalt finden, und wenn man das unveränderte Erz mit Eisensalz ana-lysirt, so erhält man seinen freien Sauerstoff. In allen Fällen nehmen2 Atome oder 392 Theile Eisen doppelsalz 1 Atom Sauerstoff auf; es ist also:392 Eisendoppelsalz = irgei#l einem Manganoxyde,woraus Eisendoppelsalz = Manganoxyd.

392

Wir erhalten also unter allen Umständen den Factor für das Eisen-doppelsalz, wenn wir das Atomgewicht des betreffenden Oxydes durch2 Atome Eisendoppelsalz dividiren. Es ist also:

Eisendoppelsalz X 0,2019 = Mn ä O g

X 0,2926 = Mn 8 0 4X 0,111 =MnO,.

Mit diesen Zahlen können wir die Manganoxyde berechnen, wennwir ihre Natur kennen. Da dies aber nicht der Fall ist, so müssen wirobige zwei Analysen anstellen. Der Factor für das Eisensalz, um den

g

freien Sauerstoff zu erhalten, ist = 0,0204, und da in dem Oxyd-

oxydul drei Atome Manganmetall = 82,71

Factor für das Metall

82,71

392

= 0 , 211 .

enthalten sind, so ist der

Mit diesen beiden Factoren kann man jede Mangansauerstoffverbin-dung vollständig analysiren. Man wägt 1 Gramm der Verbindung abund bestimmt ihren Werth mit Eisendoppelsalz in der bekannten Weise.Das zur Ileduction verwendete Doppelsalz mit 0,0204 multiplicirt giebtden freien Sauerstoff. Eine gleiche Menge der Verbindung glüht manheftig im Platintiegel, so stark es eine doppelt ziehende Flamme bewir-ken kann, und bestimmt ihren Werth in gleicher Art mit Eisendoppelsalz,feine Menge mit 0,211 multiplicirt giebt das Manganmetall. Diesem legtman erst durch Berechnung die äquivalente Menge von einem Atom Sauer-stoff zu, und dann noch den gefundenen freien Sauerstoff. Wenn beideMengen Sauerstoff gleich sind, so hätte man reines Manganhyperoxyd.

Die Anwendung der Silberlösung zur Bestimmung des Metalles ausseinem Chlorgehalte als Chlorür ist nicht zulässig, weil der natürlicheBraunstein auch noch andere Oxyde (Kalk, Eisenoxyd) enthält.