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Lehrbuch der chemisch-analytischen Titrirmethode : nach eigenen Versuchen und systematisch dargestellt / von Dr. Friedrich Mohr
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Zweiundzwanzigstes Kapitel. Chlordestillationsanalyse.

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Zweiundzwanzigstes Kapitel.

C h 1 o r d e s t i 11 a t i o n s a n a 1 y s e.

Wenn starke Salzsäure mit Hyperoxyden und anderen leicht Sauer-stoff abgebenden Substanzen erhitzt wird, so entwickelt sich eine demactiven Sauerstoff entsprechende Menge Chlor. Durch maassanalytischeBestimmung dieses Chlors erhält man eine sehr scharfe Analyse des de-stillirten Körpers. Bekanntlich hat sich Bunsen dieser Methode bedient,um eine Reihe von Körpern mit einer bis dahin noch nicht erreichtenGenauigkeit zu analysiren. Die Ausführung dieser Operation ist jedochnicht ganz leicht, indem man auch durch sehr lange fortgesetztes Kochennicht alles Chlor austreiben kann. Wenn man beim Oeffnen des Appa-rates Chlor riecht, so ist die Analyse verdorben. Da Bunsen eine ge-naue Beschreibung seines Verfahrens und Apparates nicht giebt, so dürftedie Arbeit Manchem misslingen, welcher sie zum ersten Male mit einemnicht ganz guten Apparate macht.

Zum Auffangen des Chlors wird Jodkalium in Lösung vorgeschlagen.Ein Versuch, kohlensaures Natron oder Boraxlösung vorzuschlagen, gabganz fehlerhafte, viel zu schwache Resultate.

Es ist eine Hauptsache, dass das Destillationsgefäss klein sei. Zurvollständigen Ueberfiihrung des Chlors muss man gegen Ende der Ope-ration einen Strom Luft durch das Destillationsgefäss in die Auffang-flasche saugen oder blasen können, wodurch allein das Chlor, welches inden Leitungsröhren sitzt, vollkommen übergeführt wird. Fig. 26 giebteine Ansicht des Apparates. Das Destillations-gefäss besteht aus einer etwas weiten Probir-röhre, an welche seitlich nicht weit vom unternEnde eine dünne Glasröhre angeblasen ist. DieProbirröhre ist an der Mündung so weit ausge-zogen, dass man eben einen pulverigen Körperhineinbringen kann. Da alle Korke an denStellen, welche das Chlor passirt, zu vermeidensind, so nimmt man eine Leitungsröhre, welcheso weit ist, als der Hals des Destillationsgefässes.Beide Enden stossen in einer Kantschukröhredicht aneinander, so dass nur ein sehr schmalerRing von Kautschuk vom Chlorgas berührt wer-den kann. Die Leitungsröhre geht bis dichtan die Jodkaliumlösung in der Auffangflasche,braucht aber nicht einzutauchen, wodurch jedeGefahr des Riicksteigens vermieden ist. Auchschlägt sich beim Zurücktreten der Flüssigkeitin die Leitungsröhre in dieser festes Jod nieder,

Clilordestillatioa. °

Mohrs Titxirbuch. II. Abtblg.

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