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Dreiundzwanzigstes Kapitel. Harnanalyse.
eines violetten Lakmuspapiers. Sobald dies keine Veränderung mehr zeigt,ist die Messung beendigt. Man zieht die gebrauchten CC. Normal-salpetersäure von den 10 CC. Normalkali ab, und berechnet den Rest aufAmmoniak.
1 CC. Normalkali = 0,017 Grm. Ammoniak.
Versuch. 100 CC. Harn erforderten zur Sättigung der freienSäure 0,6 CC. NormaTkali. Es wurden nun noch 10 CC. Normal-kali zugefügt und der Harn damit abgekocht. Zur Sättigung des über-schüssigen Kalis wurden verbraucht 3,5 CC. Normalsalpetersäure. Eswaren also 6,5 CC. davon gesättigt. Diese mit 0,017 multiplicirt geben0,1105 Proc. Ammoniak.
Eine Wiederholung derselben Analyse mit demselben Harn, wobeisehr lange gekocht wurde, gab 3,4 CC. Normalsalpetersäure zur Sätti-gung des nicht abgestumpften Kalis. Es kamen also 6,6 CC. Normalkalizur Berechnung = 0,1122 Proc. Ammoniak.
Diese Methode ist leichter auszuführen, als die von Schlössing;man kann die Beendigung der Zersetzung an einem sicheren Zeichen er-kennen und dieselbe beliebig herbeiführen.
10) Freie Kohlensäure.
Man erhitzt eine gemessene Menge Harn in einer Kochflasche undsaugt mittelst eines Aspirators einen Strom atmosphärischer Luft, derdurch eine Glaubersalzkalkröhre gegangen ist, durch den stark erwärm-ten Harn und dann durch Barytwasser in eine Knieröhre.
Der gefällte kohlensaure Baryt wird mit heissem Wasser ausge-waschen und alkalimetrisch mit Normalsalpetersäure (I, S. 72) gemessen,oder in Salzsäure gelöst zur Trockne gebracht, und das Chlor mit Silberbestimmt (II, S. 62). Setzt man dem Harne einige Tropfen Essigsäurezu, dass er sauer reagirt, so wird alle Kohlensäure ausgetrieben.
11) Kali und Natron.
Eine gemessene Menge Harn wird mit Barytwasser vollkommenpräcipitirt, dann mit kohlensaurem Ammoniak versetzt und jetzt filtrirt.Das Filtrat wird zur Trockne eingedampft und unter Zusatz von salpetersau-rem Ammoniak geglüht. Der Rückstand wird kochend mit Salzsäure ausge-zogen, filtrirt, znr scharfen Trockne verdampft und in einer Platin- oderPorzellanschale das Gewicht der Chlormetalle bestimmt. Man löst indestillirtem Wasser auf, setzt einige Tropfen chromsaures Kali hinzu und be-
stimmt durch
N
10
Silberlösung das Chlor, was man am Eintreten der
röthlichen Färbung erkennt. Aus dem Chlorgehalt und der Summe derbeiden Chlormetalle bestimmt man nach II, S. 60 das Kali und Natron.Die etwa übrig gebliebene kohlige Masse kann man im Tiegel noch ein-mal glühen, um sie einzuäschern, was jetzt viel leichter geschieht, um zusehen, ob noch feuerbeständige Reste vorhanden sind.
Durch das Barytwasser wurde Schwefelsäure, P hosphorsäure, Kalk, Bit-tererde und Eisenoxyd gefällt, durch das kohlensaure Ammoniak der über-