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Lehrbuch der chemisch-analytischen Titrirmethode : nach eigenen Versuchen und systematisch dargestellt / von Dr. Friedrich Mohr
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Vierundzwanzigstes Kapitel. Gerbsäure, Gallussäure, Pyrogallussäure. 221

Titre: 1 Grm. Eisensalz = 20 CC. war, erforderten 19,6 CC. davon= 0,98 Grm. Eisensalz. Diese mit 0,182 (I, S. 218) multiplicirt geben0,17836 Grm. Phosphorsäure in 50 CC. Harn, also 0,35672 Proc. Phos-phorsäure.

18,2 CC. Harn ebenso behandelt erforderten 7,5 CC. Chamäleon= 0,375 Grm. Eisensalz = 0,375 Proc. Phosphorsäure.

Vierundzwanzigstes Kapitel.

Gerbsäure, Gallussäure, Pyrogallussäure.

In Dinglers polytechnischem Journal (ßd. 148, S. 209) ist ausden Comptes rendus Moniers Methode, die oben genannten drei Säu-ren durch Chamäleon zu bestimmen, mitgetheilt. Ich hatte die beidenersten Säuren in gleicher Art zu bestimmen versucht, wegen der Unsicher-heit der Zahlen aber die ganze Sache repoidrt. Da jetzt derselbe Gegen-stand von anderer Seite in die Wissenschaft eingefiihrt ist, und überhauptfür diese drei Säuren auch keine andere Bestimmungsmethoden existiren,so will ich aus meinen Notizen das Bezügliche mittheilen.

Die drei genannten Säuren in stark saurer Lösung zerstören dieFarbe des Chamäleons in gleicher Weise Anfänglich verschwindet dasChamäleon äusserst schnell und es tritt eine gelbe Farbe auf, welche be-weist, dass sich secundäre Zersetzungsproducte bilden, und dass nicht dieseSäuren sogleich zu Kohlensäure und Wasser oxydirt werden. Bei wei-terem Zusatz von Chamäleon verschwindet die gelbe Farbe vollständigund die Flüssigkeit wird wasserhell, dagegen tritt die Entfärbung immerlangsamer ein, so dass man gegen Ende sehr unsicher ist, ob die Farbestehen bleibt oder nicht, weil sie überhaupt so spät verschwindet, dasssie mit der freiwilligen Entfärbung verdünnter Chamäleonlösungen fastzusammenfällt. Diese Unsicherheit in der Beurtheilung des Endes derOperation hatte mich veranlasst, die Methode nicht im AbschnittChamä-leon aufzunehmen. Es kommt noch hinzu, dass wenn man die langsamsich entfärbenden Flüssigkeiten längere Zeit in der Ruhe stehen lässt, sohaben sie sämmtlich die Eigenschaft erlangt, die ersten Zusätze Chamä-leon wieder augenblicklich zu entfärben. Man sieht daraus, dass auchin der entfärbten Flüssigkeit fortschreitende chemische Veränderungenstattfinden.

Wenn man nun diese Zahlen, einschliesslich ihrer Unsicherheit, dieaber durch den Mangel aller anderen Bestimmungsmethoden einiger-maassen durchzusehen ist, erhalten hat, so giebt es zwei Methoden, sichderselben zur Erlangung des analytischen Resultates zu bedienen. Ent-weder man macht sich titrirte Flüssigkeiten der reinen Säuren, etwa