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Sechster Abschnitt. Angewandter Theil.
1 Grm. zu 100 CC. gelöst, und nimmt davon 10 CC. heraus, um denTitre des Chamäleons auf dieselbe Säure zu stellen, oder man bestimmtden Titre des Chamäleons mit Eisendoppelsalz und reducirt die verbrauch-ten Cubikcentimeter Chamäleon auf dieses Salz, aus welchem man durcheinen mit reinen Stoffen ermittelten Factor das Gewicht der in Rede ste-henden Säure bestimmt.
Die erste Methode, welche Monier angewendet hat, ist mit demUebelstande behaftet, dass man jedesmal frische Titresubstanzen abwägenmuss, weil dieselben in Lösung nicht haltbar sind. Es ist deshalb derEisensalztitre vorgezogen worden.
Es wurden von den drei Säuren jedesmal 0,1 Grm. abgewogen unddiese mit einem Chamäleon austitrirt, von welchem der Titre war: 1 Grm.Eisensalz = 22,6 CC.
0,1 Grm. Gerbsäure = 66,2 CC. Chamäleon — 2,93 Grm. Eisensalz,0,1 „ Gallussäure =84 „ „ =3,7168 „ „
0,1 „ Pyrogallussäure = 108,8 „ „ =4,814 „ „
Der auf Eisensalz reducirte Factor wird erhalten, wenn man0,1 Grm. durch die Gramme des Eisensalzes dividirt. Es ist demnach:
Eisensalz X 0,03413 = Gerbsäure,
„ X 0,0269 = Gallussäure,
„ X 0,02077 = Pyrogallussäure.
Dass hier die drei Säuren mit derselben Substanz, Chamäleon, be-stimmt werden, ist kein Vorwurf, denn Chamäleon bestimmt niemals dieNatur einer Substanz, sondern nur ihre Menge, wenn ihre Natur bekanntist» Es muss also immer durch anderweitige Versuche ermittelt sein,welche Substanz vorhanden ist.
Monier giebt an, dass Gallus - und Pyrogallussäure durch Chamä-leon in Kohlensäure und Wasser wie Kleesäure verwandelt wurden, da-gegen bei Gerbsäure entstand ein noch unbekanntes Zwischenproduct.Die Arbeit enthielt übrigens keine einzige Thatsache zur Unterstützungdieser Angabe, im Gegentheil spricht das schon oben erwähnte langeNachbleichen dagegen. Wir können jedoch aus den obigen Thatsachendie Frage näher beleuchten.
Wenn die Formel der Gerbsäure Ci 8 H 8 0 12 = 212 ist, so würdenach dem Versuche 1 At. Tannin (212) = 5863,4 Grm. Eisensalzsein; und da 2 At. Eisensalz (= 392) 1 At. Sauerstoff aufnehmen, so
nehmen
die 5803,4 Grm. Eisensalz
5863,4392 ~
14,6 At. Sauerstoff auf.
Die Formel C 18 H 8 0 12 fordert aber 32 At. Sauerstoff, nämlich36 At. auf die 18 At. Kohlenstoff, 8 auf die 8 At. Wasserstoff, zusammen44 At., von denen die bereits vorhandenen 12 At. abgehen, so dass 32 At.übrig bleiben. Die aufgenommene Menge Sauerstoff ist also noch nichtdie Hälfte der der Formel entsprechenden Menge.
Die Formel der Gallussäure, C 7 H 3 O s -f- HO = 94, erfordert 12 At.