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Sechster Abschnitt. Angewandter Theil.
Es wäre aber dann die Morphiumbestimmung von allen alkalimetrischenProben die am wenigsten genaue, weil das Atomgewicht das höchsteist. Uebrigens sieht man den Farbenwechsel mit kohlensäurefreiemAlkali ganz deutlich, und es wäre mit sehr fein getheilten und engenBüretten ein ziemlicher Grad von Genauigkeit zu erreichen.
Einem andern Gedanken, das Morphium in seinen neutralen Salzendurch seine Wirkung auf Kupferoxyd-Ammoniak zu bestimmen, hatKieffer keine weitere Folge gegeben, indem, wenn einmal das Mor-phium als ein reines Salz oder als solches rein dargestellt ist, seiner Wä-gung auch kein Hinderniss entgegensteht.
Eine andere Reihe von Methoden, das Morphium zu bestimmen, grün-det sich auf dessen Oxydirbarkeit durch Sauerstoff abgebende Körper.Das Morphium entfärbt in saurer Lösung die Chamäleonlösung, anfangsrasch, gegen Ende immer langsamer, so dass man die Vollendung derZersetzung gar nicht mehr beurtheilen kann.
Jodsäure als jodsaures Kali und Schwefelsäure wird von Morphiummit Ausscheidung von Jod zersetzt. Man kann jedoch das Jod mit kei-nem der bekannten Mittel bestimmen, weil alle reducirenden Körper auchaus dem überschüssigen jodsauren Kali Jod ausscheiden. Nebenbei ge-sagt ist ein Gemenge von jodsaurem Kali, Schwefelsäure und Stärke-lösung das empfindlichste Reagenz für alle reducirenden Wirkungen, in-dem schweflige Säure, unterschwellige Säure, sogar Salzsäure damit dieblaue Jodstärkereaction hervorbringen.
Ein Agens, womit Kieffer eine Reihe von Versuchen anstellte,ist das Ferridcyankalium. Auch dieses Salz wird vom Morphium in sei-ner alkalischen Lösung zersetzt, und Kieffer glaubte zu finden, dasssich gleiche Atome beider Körper zersetzen und dass die Wirkung augen-blicklich wäre. Wenn sich dieses bestätigte, so war darin eine Bestim-mung des Morphiums durch Restanalyse gegeben, indem das Ferridcyan-kalium sehr leicht durch Jodkalium und Zinkvitriol in eine äquivalenteMenge Jod übergeführt und dieses durch Stärke und unterschwefligsauresNatron bestimmt werden konnte. Meine Versuche gaben kein günstigesResultat. Der Anfang der Zersetzung ist zwar augenblicklich, so dassman bald gebildetes Ferrocyankalium nachweisen kann, allein das Endehängt von der Menge des zugesetzten Ferridcyankaliums, der Zeit und Er-wärmung ab. Vor allen Dingen mussten gleiche Mengen Morphium mitungleicher Behandlung doch gleiche Resultate geben, wenn die Methodeeine Zukunft haben sollte. Es wurde deshalb 1 Grm. krystallisirtes Mor-phium in verdünnter Kalilösung gelöst, dann mit Zehent - Ferridcyanka-liumlösung (32,933 Grm. im Litre) versetzt, schwach mit Salzsäureübersättigt, Jodkalium und Zinkvitriol (oder auch Jodzink allein) zuge-setzt und dann das freigewordene Jod mit einer 2 /io normal-unter-schwefligsauren Natronlösung (24,8 Grm. im Litre, s. I, S. 383), welchesder Ferridcyankaliumlösung an Volum äquivalent ist, bestimmt. Wurdendie Cubikcentimeter unterschwelligsaure Natronlösung von den Cubik-